Bücher über „Afrika“ – was ich in diesem Jahr gelesen und für gut befunden habe

Im heutigen Post geht es um Bücher, die ich während meiner Zeit hier gelesen habe, und die mein Verständnis für Namibia und meinen Blick auf Afrika als Kontinent beeinflusst haben. Es ist eine vollständig unvollständige Liste, weitere Empfehlungen dürfen gerne in den Kommentaren geteilt werden! Viel Spaß beim Lesen (des Blogeintrags und vielleicht ja auch eines der Bücher)!

The Eternal Audience of One – Rémy Ngamije

Windhoek has three temperatures: hot, mosquito, and fucking cold.

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51cruiJD3%2BL.jpg

Dieser Roman darf auf keinen Fall in dieser Liste fehlen, er verdient sogar den ersten Platz. Obwohl ich gestehen muss, dass ich das Buch noch gar nicht fertig gelesen habe. Und von allen Büchern, die in meiner Liste auftauchen, ist dieses das einzige, was von Namibia handelt. Genauer: vom Windhoeker Middle-Class-Leben eines jungen Mannes, der als Kind mit seiner Familie aus Ruanda in die namibische Hauptstadt gekommen ist.

Was dieses Buch aber noch besonderer macht, ist sein Autor. Rémy ist seit ein paar Monaten unser Kollege an der Schule. Er unterrichtet Englisch und ist für die PR der Schule zuständig. „The Eternal Audience of One“ ist sein erster Roman. Leider ist er bisher nur auf Englisch erschienen, aber man kann ihn als eBook bei Amazon kaufen. Einen Auszug kann man hier lesen.

Namibische Literatur findet man nur sehr schwer – obwohl die Regale voll sind von Bildbänden, Reiseführern und autobiographischen Erzählungen weißer Einwanderer. Dieses Buch ist daher auch für Namibia etwas besonderes. Denn es ist wichtig, dass Namibier beginnen von sich selbst zu erzählen – und nicht immer andere das für sie übernehmen.

Life is not hard in Windhoek, but it is not easy either. The poor are either falling behind or falling pregnant.

Born A Crime – Trevor Noah (deutscher Titel: Farbenblind)

Wenn du nur ein Buch aus dieser Liste liest, dann dieses! Kurzweilig, kritisch, leicht und warmherzig schreibt der südafrikanische Comedian, der mittlerweile erfolgreicher Moderator einer eigenen Fernsehshow in den USA ist, über seine Kindheit als „mixed race“ in Apartheid Südafrika:

I was the champion of the Maryvale sports day every single year, and my mother won the moms´trophy every single year. Why? Because she was always chasing me to kick my ass, and I was always running not to get my ass kicked. Nobody ran like me and my mom. (…) We had a very Tom and Jerry relationship, me and my mom. She was the strict disciplinarian; I was naughty as shit.

Das Buch ist Geschichtsunterricht und Comedy-Show zugleich und ich habe bei der Lektüre mehr als einmal herzlich gelacht. Es hat mir auch geholfen, die Mentalität vieler Menschen hier besser zu verstehen. Da Namibia lange Zeit südafrikanische Kolonie war, sind die beiden Länder eng miteinander verbunden und ich konnte viele der Anekdoten aus dem Buch auch auf Namibia beziehen. Manches sehe ich nun auf eine neue Weise. Dieses Buch lege ich deshalb jedem sehr ans Herz!

Agaat – Marlene van Niekerk

Obwohl stellenweise langatmig und manchmal ermüdend, ist dieses Buch, vor allem aber die Geschichte, die es erzählt, eine absolute Empfehlung. Es handelt von einer weißen Farmersfrau und ihrer schwarzen Angestellten in Südafrika und der engen Beziehung, die diese beiden Frauen verbindet. Der Roman bietet einen Einblick in das mühsame Leben von Farmern im kargen Süden Afrikas, in die konservativen Wertvorstellungen weißer Grundbesitzer, in die bis heute schwierigen Verhältnisse zwischen Chef und Angestellten. Und natürlich in das unmenschliche Apartheid-Denken des 20. Jahrhunderts. Es zeichnet dabei ein Bild, das weder schwarz noch weiß ist und hilft, die Komplexität der gesellschaftlichen Themen anzunehmen.

Die New York Times schreibt über dieses Buch: „Books like “Agaat,” the second novel by the South African writer Marlene van Niekerk, set in the last five decades of the departed century, are the reason people read novels, and the reason authors write them. It’s a monument to what the narrator calls “the compulsion to tell,” expressing truths that are too heartfelt, revelatory and damaging for proud people to speak aloud — or even to admit to themselves in private.“

Americanah – Chimamanda Ngozi Adichie

In America you don’t get to decide what race you are. It is decided for you.

Diesen Roman zu lesen lohnt sich schon allein für die authentische, wunderschön erzählte Liebesgeschichte zwischen Ifemelu und Obinze. Aber eigentlich geht es in dem Buch um noch viel mehr. In „Americanah“ taucht der Leser ein in die vielfältige Gedankenwelt einer jungen Nigerianerin. Als Studentin in den USA, mit dem amerikanischen Rassendenken konfrontiert, nimmt sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben als „schwarz“ wahr. Sie beginnt einen bissigen, gesellschaftskritischen Blog zu schreiben und wird damit sehr erfolgreich. Einige Jahre später kehrt sie zurück nach Lagos und nähert sich ihrer Jugendliebe wieder an. Rasse, Klasse, Schwarz-sein, weiße amerikanische Arroganz, das Leben von Migranten in den USA – das alles sind Themen, die in diesem Buch auftauchen. Die Hauptfigur Ifemelu nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, das Verhalten ihrer Mitmenschen zu analysieren und beurteilen. Durch ihre Augen sehen zu können, hat mir geholfen zu verstehen, welche Worte ich benutzen darf, um über Hautfarben und Privilegien zu sprechen. Und ganz nebenbei war es auch noch sehr unterhaltsam.

Nachdem ich dieses Buch bei uns im Volunteer-Bücherregal gefunden und innerhalb weniger Tage verschlungen habe, musste ich mir selbstverständlich direkt auch die anderen beiden Romane von Chimamanda Adichie auf meinen eBook-Reader herunterladen. „Blauer Hibiskus“ und „Die Hälfte der Sonne“ haben mich ebenso gefesselt und begeistert wie „Americanah“ und ich kann auch diese Bücher nur empfehlen!

„Americanah“ wird derzeit verfilmt.

Mit kolonialen Grüßen – glokal

Diese Broschüre haben wir auf unserem Zwischenseminar bearbeitet und sie ist natürlich ganz anders als die anderen Titel in dieser Liste. Sie richtet sich an Menschen, die in den globalen Süden reisen und ihre Reise mit anderen Menschen – auf welche Art auch immer – teilen. Sei es in den sozialen Medien, per Whatsapp, mit einer Diashow zuhause auf dem Sofa oder so wie wir als Blog.
Sie soll aufmerksam auf die Komplexität gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Phänomene machen, Bewusstsein für eine angemessene Sprache beim Berichten über Reisen schaffen und zum Hinterfragen eigener Denkmuster anregen. Die Broschüre behandelt Themen wie Kolonialismus und Rassismus, Diskriminierung und Privilegien, Fotorechte und Romantisierung von Armut.
Deswegen ist sie, meiner Meinung nach, ein absolutes Lese-Muss für junge Menschen wie mich, die von ihren Auslandserfahrungen im Internet berichten (wollen). Denn mit unseren Erzählungen von diesen fremden Orten und Menschen schaffen wir ein Bild in unseren eigenen Köpfen und in denen unserer Gegenüber. Die Worte und die Bildausschnitte, die wir wählen, die Perspektiven, die wir einnehmen – sind von Bedeutung.

Im Akt des Fotografierens werden die Abgebildeten zum Objekt gemacht, oder gar zur Trophäe, und sollen dabei nicht selten unsere vorgefertigten Vorstellungen vom Globalen Süden bestätigen. (…) Interessant ist auch, nicht nur zu überlegen, warum ich was fotografiere, sondern auch, warum ich bestimmte Dinge nicht abbilde. (…) Blende ich die Existenz der städtischen Realität aus und reproduziere das vorherrschende Stereotyp Asien/Afrika = dörflich, „traditionell“ und naturverbunden?

Mir hat die Broschüre sehr geholfen, meine Sprache zu reflektieren und mir darüber klarzuwerden, warum ich überhaupt diesen Blog schreibe. Und auch für meine Artikel in der Zeitung fand ich die Einsichten und Erkenntnisse aus der Broschüre hilfreich.

Man kann sie sich kostenlos als PDF herunterladen.


Es ist übrigens gar nicht so leicht, in Namibia an gute Bücher zu kommen und deswegen ist die folgende Information gerade für zukünftige Freiwillige vielleicht ganz interessant: die besten Buchläden gibt es meiner Meinung nach in Swakopmund im Stadtzentrum. Sie bieten sowohl deutsch- als auch englischsprachige internationale und afrikanische Literatur an und haben außerdem eine große Auswahl an Sachbüchern, Reiseführern und Erfahrungsberichten über Namibia.

In Windhoek gibt es die „Windhoek Buchhandlung“ an der Independence Avenue, die allerdings nicht sehr viele Bücher im Sortiment hat, dafür aber auch viele deutsche, Reiseführer, Ratgeber etc. Viel besser, aber sehr versteckt, ist „The Book Den“ in Windhoek West, an der Puccini Street. Dort gibt es Bücher auf Englisch und Afrikaans, unter anderem auch eine große Auswahl an Kinderbüchern und viel afrikanische Literatur.

Da Bücher in Namibia aber sehr teuer sind, lohnt es sich auch bei Second-Hand-Läden für Bücher nachzuschauen. Gleich neben dem Craft Centre gibt es zum Beispiel „Uncle Spikes Book Exchange“ und auch auf dem Gelände des Craft Centres gibt es einen Buchladen, der gebrauchte Bücher auf deutsch und englisch verkauft. Ansonsten kann man sich auch beim Goethe-Institut deutschsprachige Bücher ausleihen. Der Vorteil hier: es gibt viele aktuelle Romane.

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