Monatsrückblick – März/April (Franziska)

Eigentlich sollte mein Monatsrückblick zeitgleich mit Saschas hochgeladen werden, aber aufgrund irgendeines Fehlers kommt er nun erst am Ende des Monats. Ich hoffe, ihr hattet alle schöne Osterferien!
Die letzten zwei Wochen hatte ich Besuch von meinen Eltern und wir sind gemeinsam ein bisschen durch Namibia gereist. Und da in den sieben Wochen davor ohnehin nicht sooo viel passiert ist, fasse ich einfach alles in einem Beitrag zusammen. Hier also mein Monatsrückblick für den siebten und achten Monat in Namibia.

Die letzten sechs Wochen waren vor allem von Arbeit geprägt. Fast jedes Wochenende stand ein Event an der Schule an. Es begann mit dem Trimesterfestival, bei dem alle Klassen etwas künstlerisches aufgeführt haben. Darauf folgte das Sportfest, das vergleichbar mit den Bundesjugendspielen ist. Es fand an einer anderen Schule mit großem Sportplatz statt und ging schon morgens um sieben los, um der Hitze zu entgehen.
Der darauffolgende Donnerstag war ein Feiertag, der Unabhängigkeitstag Namibias, der mit großen Feierlichkeiten begangen wurde, über die Sascha ja schon berichtet hat. So ergab sich für uns ein langes Wochenende, was ich mit Johanna und Anna dafür nutzte, nach Swakopmund ans Meer zu fahren.
Als letztes Event im März wurde an der Schule ein Flohmarkt veranstaltet, um Spenden einzunehmen. Dabei haben wir Freiwilligen wieder Kinderschminken und Dosenwerfen angeboten. Zum ersten Mal in diesem Jahr hatten wir so ein paar richtig verregnete Tage und es hat sich sehr heimelig angefühlt in einen Pulli eingekuschelt eine heiße Tasse Kakao zu trinken. Für den Verkauf war das Wetter allerdings nicht besonders vorteilhaft. Nachdem es dann fünf Tage hintereinander geregnet hatte, führte für ein paar glückliche Stunden sogar das Flussbett hinter unserem Haus Wasser. Das war seit einigen Jahren nicht mehr vorgekommen.

Und dann waren da noch unsere Chorkonzerte, für die wir seit Januar geprobt haben. Die „Windhoek Choristers“, der Chor unserer Musiklehrerin an der Schule, haben eine Passionsmusik des namibischen Komponisten Marcellinus Swartbooi aufgeführt.

Abgesehen von der Arbeit, den Chorproben und gelegentlichen Ausflügen waren meine Wochen seit Ende März auch mit einem neuen Hobby gefüllt: Zweimal die Woche gehen Johanna, Anna und ich nun zum Zumba, einer Art Tanz-Workout. Es macht unheimlich viel Spaß und ist ein guter Ausgleich zur Arbeit mit den Kindern.

Arbeit

Nachdem ich Anfang des Trimesters täglich beim Handarbeiten in der zweiten Klasse geholfen habe, war mir in der darauffolgenden Zeit der Vormittag manchmal einfach zu langweilig. Also habe ich gefragt, ob ich nicht in den Englischunterricht in der Mittelstufe reinschauen könnte. So habe ich zweieinhalb Wochen den Hauptunterricht in der siebten Klasse begleiten dürfen und einen Einblick in die Middle School bekommen. Das Unterrichten ist hier wirklich etwas ganz anderes als bei den Kleinen. Und obwohl ich diesmal mehr zugesehen als mitgeholfen habe, war es eine interessante Zeit.

Nachmittags haben wir in der Afternoon Care ein Projekt begonnen, das den Kindern sehr viel Spaß macht. Von einer Spende haben wir Textilfarbe besorgt und nun dürfen die Kinder in kleinen Gruppen mitgebrachte Kleidungsstücke einfärben. Dabei sind viele schöne Teile entstanden und wirklich alle waren begeistert!

Und ein weiteres Highlight stand für die Afternoon-Care-Kinder in der zweiten Hälfte dieses Trimesters an: die Übernachtungsparty. An einem Freitagnachmittag brachten alle Kinder ihre Schlafsachen und Zelte mit, die sie im Schulhof aufbauten. Abends gab es ein Lagerfeuer und eine anschließende Party im Eurythmieraum und am nächsten Morgen um 10 Uhr wurden die etwas unausgeschlafenen Kinder von ihren Eltern wieder abgeholt. Sowohl die Großen als auch die Kleinen hatten richtig viel Spaß und wenn es nach den Kindern ginge, könnten wir jede Woche ein „Sleepover“ machen.

 

Zum Schluss möchte ich noch über einen „goldenen“ Moment dieses Monats berichten. Zweimal in der Woche habe ich Pausenaufsicht. An guten Tagen verläuft sie ruhig und ich habe Zeit, mich mit den Kindern oder Kollegen zu unterhalten. An anderen Tagen kann es ganz schön stressig werden, etwa wenn irgendein Kind ein Chamäleon entdeckt und meint, es herumtragen zu müssen. Oder wenn es zu Streit zwischen Klassenkameraden kommt. Und manchmal verlängert sich meine Aufsicht auch, weil ein Lehrer aufgehalten wurde und nicht direkt zum Unterricht kommt. Dann bleibe ich meist noch. Das war die Situation an jenem Tag. Die zweite Klasse wartete auf ihre Lehrerin und als sie nach kurzer Zeit erschien, klammerte sich ein Junge, der auch bei uns im Afternoon Care ist, an mein Bein und wollte nicht zum Unterricht gehen. Ich habe ihn umarmt und gesagt, dass ich jetzt gehen und er zurück in den Unterricht müsse. Aber er wollte nicht. Da habe ich mich erinnert, dass in einer ähnlichen Situation schon einmal so etwas wie Affirmationen geholfen haben. „I am C. I am strong. I can do it!“. Zuerst sagte ich es ihm vor und er hielt sich weiter an mir fest. Ich wiederholte es. Dann sagte ich zu ihm, dass er mich anschauen solle und wir es dann gemeinsam machen. Und das hat er getan. Er stand vor mir, mit einem unsicheren Blick, aber er machte mit. „I am C.“ kam noch sehr zaghaft. Der nächste Satz war schon überzeugter und „I can do it!“ brachte ihn zum Lächeln. Wie ein Superheld begann er auf der Stelle Anlauf zu nehmen und rannte dann seinen Mitschülern hinterher in die Klasse.
Dieses Erlebnis hat mir wieder einmal gezeigt: Strenge, Argumente oder ein „so ist es eben“ bringen uns im Miteinander nicht weit. Wenn ich mir Zeit nehme, mich in das Kind hineinversetze, versuche zu verstehen, was es jetzt braucht – dann kann ich ihm viel besser helfen. Leider habe ich in der Hektik des Schulalltags und auch nachmittags nicht immer die Zeit, so intensiv auf das Kind einzugehen. Dann ärgere ich mich am Ende des Tages oft über meine eigene Reaktion und wünschte, ich wäre geduldiger, empathischer und authentischer gewesen. Aber gerade deswegen sind mir diese kleinen Momente so wichtig und werden mir sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben.


Zum Abschluss habe ich noch ein paar Fotos aus der Afternoon Care für euch (wenn ihr drauf klickt, werden  sie vergrößert):

 

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