Swakopmund – wo Wüste auf Wellen trifft

Während sich in Windhoek hochrangige Politiker, allerlei Würdenträger und das gemeine (Party-)Volk versammelten, um den wohl wichtigsten Tag der namibischen Geschichte zu feiern, den Tag der Unabhängigkeit von Südafrika, saßen Johanna, Anna und ich am 21. März im Taxi auf dem Weg nach Swakopmund. Die Stadt am Atlantik ist ihrerseits ein geschichtsträchtiger Ort. Sie liegt an der Mündung des Flusses Swakop in den Ozean, daher der Name „Swakopmund“. Hier treffen die Sandmassen der Namib auf die Wellen des Atlantik. Das Klima ist das ganze Jahr über „kühl“ (15-22°C) und windig, Wolken verhängen den Himmel, nur über Mittag klart es auf. Die deutschen Einwanderer, die Ende des 19. Jahrhunderts hier an Land gingen, um die Kolonie Deutsch-Südwestafrika zu besiedeln, dürften sich an die heimische Nord- oder Ostsee im Sommer erinnert gefühlt haben. Im Laufe der Zeit entstand rund um den Hafen eine kleine Stadt, die heute ca. 45 Tausend Einwohner zählt. Die Häuser im Zentrum sind Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit und wären da nicht die Palmen, könnte man meinen, man befände sich in einem Kurort bei Stralsund. Es fehlen eigentlich nur die Strandkörbe.

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Schreiende Möwen vervollständigen die Kulisse des perfekten Urlaubsstädtchens

Swakopmund ist ganz anders als alle anderen namibischen Städte. Die angenehmen Temperaturen, der Kleinstadt-Charme, die gemütlichen Cafés und die vielen Shoppingmöglichkeiten ziehen vor allem die weißen Namibier immer wieder übers Wochenende hierher. Unterkünfte gibt es zuhauf: schicke Hotels direkt am Meer, kleine Ferienhäuser am Strand, Selbstversorgerwohnungen in der Stadt und natürlich Backpackers, in denen man immer wieder interessante Begegnungen macht.

Wer aus Windhoek anreist, hat die Wahl zwischen vier Verkehrsmitteln: dem eigenen Auto, dem Bummelzug (aus Sicherheitsgründen nicht unbedingt zu empfehlen), dem Shuttle oder einem privaten Taxi. Wir wären gerne mit einem Shuttle gefahren, aber alles war ausgebucht, sodass wir auf einen Taxifahrer ausweichen mussten, den wir über andere Freiwillige aus Omaruru kannten.
Dass das nicht die weiseste Entscheidung war, merkten wir schon relativ früh. Zwischen neun und zehn hatte sich unser Fahrer angekündigt – um elf war er dann tatsächlich endlich da. Doch anstatt auf dem schnellsten Wege die Stadt zu verlassen, fuhr er mit uns an eine zentrale Taxistelle. Hier erfuhren wir, dass er uns eigentlich gar nicht fahren wollte und besorgte uns einen Ersatzwagen samt Fahrer. Mit ihm fuhren wir erstmal zu zwei Tankstellen, wo er sich von uns bezahlen ließ, um zu tanken und sein Öl aufzufüllen. Dann fiel ihm ein, dass er seinen Führerschein nicht dabei hatte, und wir fuhren noch zu ihm nach Hause, um ihn zu holen. Jetzt saßen wir schon seit eineinhalb Stunden im Auto und waren, milde gesagt, leicht genervt. Aber gut, gegen halb eins verließen wir Windhoek, einigermaßen optimistisch nun in den nächsten vier Stunden unser Ziel zu erreichen. Doch schon nach wenigen Kilometern wurde unsere Fahrt von einem rauchenden Motor unterbrochen. Es gab ein Problem mit dem nachgefüllten Öl. Etwas ratlos stand unser Fahrer vor der offenen Motorhaube, fuhr dann aber doch irgendwann einfach weiter.

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Gestrandet! Und das nach gerade mal ein paar Kilometern

Die nächste Panne erwartete uns in Karibib – ein Achsenbruch, gerade als wir zur Tankstelle abbiegen wollten. Zwei Stunden warteten wir auf das richtige Ersatzteil, nur um eine halbe Stunde später erneut liegen zu bleiben. Diesmal war der Hinterreifen geplatzt. Glücklicherweise kamen freundliche Menschen mit einem Wagenheber vorbei, die im Nu unseren Reifen gewechselt hatten. Blöd nur, dass der Ersatzreifen deutlich kleiner war als die verbliebenen drei. So mussten wir die restlichen 150 km bis Swakopmund mit Tempo 80 zurücklegen. Es wurde eine ziemlich lange Fahrt durch den bilderbuchwürdigen Sonnenuntergang in der Wüste.
Als wir endlich gegen 20 Uhr in der Stadt ankamen, waren wir alle sehr erschöpft von dieser Odyssee, aber erleichtert und dankbar, es gegen alle Widerstände bis hierhin geschafft zu haben.

Nachdem ich nun so ausführlich unsere abenteuerliche Anreise geschildert habe, komme ich nun zur Stadt selbst. Ich liebe Swakop für seine frische Brise, für das Stück Freiheitsgefühl, das einem das Meer vermittelt. Für die kühlen Temperaturen, die ab und zu eine willkommene Abwechslung zum heißen Windhoeker Sommer sind. Und einfach für den Vibe, die Stimmung, das Lebensgefühl. Und trotzdem habe ich jedes Mal den Eindruck, dass die Stadt nicht wirklich authentisch ist. Alles ist so sauber und ordentlich. Stundenlang bewässern Rasensprenger die Parkanlagen. In den Cafés am Straßenrand sitzen Touris. Es sind kaum Taxen unterwegs. Irgendwie ist das alles so gar nicht wie in anderen namibischen Städten. Und der Behauptung vieler Reiseführer, Swakopmund wäre eine deutsche Oase in Namibia, würde ich auf jeden Fall widersprechen. Die verbliebenen Fachwerkbauten und deutschen Straßenschilder wirken eher wie aus einem Freilichtmuseum. Swakopmund ist vielleicht ein Erinnerungsstück an deutsche Kolonialzeit in Namibia, viel mehr aber ein Erholungsort für alle, die es sich leisten können, hier Urlaub zu machen.

Zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich meine persönlichen Empfehlungen für Restaurants und Aktivitäten in Swakop geben.

Restaurants

Swakop ist natürlich prädestiniert für allerlei Fisch und Meeresfrüchte und so kommt es, das die meisten Restaurants sich auch darauf spezialisiert haben. Besonders schön kann man zum Beispiel im „Jetty 1905“ essen, einem Restaurant am Ende einer alten Seebrücke, die weit ins Meer hineinragt, sodass man buchstäblich zwischen den Wellen speist. Sehr lecker ist es auch im „Lighthouse“, unweit des Leuchtturms. Hier bekommt man auch was anderes als Fisch. Wer sich lieber mit einer Portion Pommes an den Strand setzt, bekommt diese an verschiedenen Foodtrucks entlang der Promenade. Der bekannteste von ihnen ist „der gelbe Bus“, auch bekannt als „Fork ‚N Nice“, der sich etwas nördlich vom Leuchtturm befindet.

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Als Touristenstädtchen und Erholungsort hat Swakop aber vor allem die schnuckeligsten Cafés zu bieten. Entlang der Hauptstraßen im Zentrum reiht sich eines an das nächste und hier eine Wahl zu treffen, ist wirklich schwer. Am besten setzt man sich einfach jeden Tag zum späten Frühstück und dann zu Kaffee und Kuchen in ein anderes Café und testet sich durch wie die Raupe Nimmersatt.

Aktivitäten

Das Angebot an Aktivitäten und Ausflügen in Swakopmund ist schier unendlich und dürfte für jeden etwas dabei haben. Naturinteressierte sollte sich die “ Living Desert Tour“ nicht entgehen lassen. Sie startet morgens in Swakop und führt in die Wüste, wo Guides die verschiedenen kleinen Bewohner des Sandreiches ausfindig machen und zeigen. Auf Annas Blog gibt es zu dieser Tour einen ausführlichen Bericht.
Wer eher einen Adrenalinkick sucht, kann einen Fallschirmsprung aus dem Flugzeug wagen oder mit dem Quad durch die Dünen heizen. Gemütlicher hat man es auf dem Rücken eines Kamels. All diese Dinge kann man u.a. bei Desert Explorers am Ortsausgang Richtung Walvis Bay buchen. Meistens braucht man nicht mal lange im Voraus reservieren. Im Angebot sind auch: Sandboarding, Kanutouren, Bootstouren, Fahrradtouren durch die Dünen u.v.m.

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