Unterschiede zwischen meinem Leben in Deutschland und meinem Leben in Namibia

Dieser Blogbeitrag ist mal wieder etwas persönlicher. Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, geht es um Unterschiede zwischen meinem Leben in Windhoek und meinem Leben in Deutschland. Einige der Unterschiede beziehen sich auf meinen Alltag, andere hängen ganz explizit mit dem Land zusammen, in dem ich mich aufhalte. Bevor ich beginne, möchte ich darauf hinweisen, dass die Unterschiede auf mein persönliches Leben zutreffen und nicht zwangsläufig auch Unterschiede zwischen Namibia und Deutschland bedeuten.

Ich habe in Namibia mehr Zeit für meine Hobbys:

Dieser Punkt ist tatsächlich einer der Gründe gewesen, wieso ich mich nach der Schule für einen Freiwilligendienst entschieden habe. In den letzten zwei Jahren vor dem Abitur habe ich fast meine gesamte Zeit in die Schule gesteckt, sodass nur wenig Zeit für Hobbys blieb. Vor dem Studium wollte ich deshalb noch einmal Durchatmen können, bevor es mit dem Lernen weitergeht. Und der Freiwilligendienst ist dafür perfekt. Natürlich habe ich meine Arbeit, aber die ist auf sechs bis sieben Stunden am Tag begrenzt. Den Rest der Zeit habe ich zu meiner freien Verfügung. Ich muss nichts vorbereiten, nichts nacharbeiten, habe keine Verpflichtungen. Deshalb kann ich einmal in der Woche zum Chor gehen, nehme mir Zeit zu schreiben, Handlettering zu üben, Podcasts zu hören und zu lesen. Und das genieße ich sehr!

In Namibia gehe ich viel öfter aus:

Dass ich viel öfter abends weggehe, mich mit anderen Freiwilligen zum Essen oder im Kino treffe, hat zwei Gründe. Erstens habe ich, wie oben erwähnt, mehr Zeit für solche Dinge. Zweitens sind solche Aktivitäten in Namibia einfach günstiger als in Deutschland. Das heißt allerdings nicht, dass alle Namibier ständig essen oder feiern gehen. Leider gibt es einen großen Bevölkerungsanteil, der sich solche Dinge nicht leisten kann. In Deutschland zähle ich als Schüler, bzw. als Student ab nächstem Jahr, auch wieder zu diesem Bevölkerungsanteil. Deshalb genieße ich das Privileg der vielen Möglichkeiten hier.

In Namibia erledige ich alles mit dem Auto:

Hierzu muss ich sagen: auch in Deutschland habe ich viel mit dem Auto gemacht. Ich bin  auf dem Dorf aufgewachsen und die Busanbindung an die umliegenden Städte war eher mäßig. Deshalb wurde ich oft zu Freunden, Musikunterricht, ins Kino etc. gefahren oder bin seit meinem 18. Geburtstag auch selbst gefahren. Aber in dem Jahr in Oldenburg bin ich immer und ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs gewesen und ich habe es geliebt! Wenn ich eines vermisse, dann ist es wirklich die Freiheit, die mir mein Fahrrad in Deutschland geschenkt hat. Und ich freue mich schon soooo sehr auf Radtouren zum Badesee im Sommer, auf spontane Fahrten in die Stadt und sogar auf das Gefühl von nassgeregneten Jeans und Wassertropfen im Gesicht, wenn man während eines Schauers an der roten Ampel lehnt und darauf wartet, weiterfahren zu dürfen.
Trotz allem bevorzuge ich das Auto in Windhoek. Aus zwei Gründen. Es ist a) zu heiß und mir b) zu unsicher hier Fahrrad zu fahren. Dementsprechend froh bin ich, ein Auto zur Verfügung zu haben, das uns schnell und sicher überall hinbringt.

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Ganz so schrottig wie dieses Auto ist unser „Frosch“ zum Glück nicht

In Namibia lebe ich deutlich minimalistischer als in Deutschland:

Das hat natürlich damit zu tun, dass ich nur zwei Koffer mit nach Windhoek gebracht habe und meine Kleider- und Kosmetikauswahl deshalb zwangsläufig eher klein ist. Fünf Teile habe ich mir zwar in den sieben Monaten schon dazu gekauft, aber insgesamt ist mein Kleiderschrank aktuell sehr minimalistisch. Manchmal nervt das, denn das eine oder andere T-Shirt kann ich echt nicht mehr sehen, aber gerade was Schuhe angeht, habe ich gemerkt, mit wie wenig ich auskommen könnte. Ich habe Birkenstocks, Chucks, Sportschuhe und FlipFlops dabei und im Prinzip bräuchte ich nur die ersten beiden Paare. Ich kann an einer Hand die Male abzählen, an denen ich meine FlipFlops anhatte. Aber zu solchen Klamottenfragen kommt demnächst nochmal ein Beitrag.

Meine Ernährung in Namibia ist einseitiger als in Deutschland:

Was nur bedingt damit zu tun hat, dass es bestimmte Lebensmittel hier nicht oder nur zu einem hohen Preis gibt. Vielmehr hat es mit meinen Arbeitszeiten (und meiner Faulheit) zu tun. Vormittags habe ich frei und frühstücke zuhause. Das ist meisten Brot mit Käse oder Nutella. Müsli ist sehr teuer und so etwas wie vegane Brotaufstriche habe ich noch nirgendwo entdeckt.
Mittags esse ich im Afternoon Care das Essen, das die Küche für uns kocht. Auch das ist wenig abwechslungsreich, immerhin gibt es jeden Tag Gemüse und ab und zu auch mal frischen Salat.
Abends habe ich dann nur selten Lust zu kochen, weil wir nach der Arbeit so hungrig sind, dass wir so schnell wie möglich was essen wollen. So bleiben eigentlich nur die Wochenenden zum Selberkochen. Da nutzen wir dann aber auch gerne den Biomarkt in Klein Windhoek und besorgen uns Gemüse, Vollkornbrot und selbstgemachtes Pesto. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, freue ich mich aber trotzdem schon sehr, in Deutschland wieder mehr Auswahl an Lebensmitteln zu haben.

In Namibia bin ich dankbar für Regen und Kälte:

Wer mich kennt weiß, dass ich ein Sommerkind bin und immer total schnell friere. Tatsächlich kam ich mit der anhaltenden Hitze hier auch sehr gut klar. Aber ich habe in den letzten Wochen, in denen es ab und zu mal kühler war, so richtig gemerkt, wie schön es sein kann, im Pulli eingekuschelt unter der Bettdecke zu liegen. Einen heißen Tee zu trinken. Wollsocken anzuziehen. Über den uns bevorstehenden Winter mit Minusgraden werde ich bestimmt schon bald wieder schimpfen, aber aktuell finde ich es sehr angenehm, mal wieder kühlere Temperaturen zu erleben. Selbst wenn ich Sonnenschein immer bevorzugen werde, hat mir dieses halbe Jahr in Namibia auf jeden Fall beigebracht, auch für Regen und einen bewölkten Himmel dankbar zu sein. Mal sehen wie lange meine Dankbarkeit anhalten wird, wenn ich erst wieder in Deutschland bin.


Das waren die sechs großen Unterschiede zwischen meinem Leben in Deutschland und meinem Leben während des Freiwilligendiensts. Wie gesagt: jeder wird für sich andere Unterschiede wahrnehmen. Nur weil ich hier auf diese Art lebe, heißt das nicht, dass jeder andere deutsche Freiwilligendienstler hier so lebt.

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