Wochenend-Geschichten – 17. & 18. November 2018 (Begegnung mit der Polizei)

Wie schon letzte Woche sind wir (d.h. wir fünf Freiwilligen) auch an diesem Sonntag auf die Farm Krumhuk gefahren. Dort gibt es Sonntagnachmittags immer Kaffee und Kuchen so viel man mag für wenig Geld und das im Grünen unter großen Bäumen. Lecker ist es und die Stimmung ist schön. Außerdem haben an diesem Sonntag zwei andere Freiwillige aus dem YONA-Projekt in einem Quartett mitgespielt. Klassische Musik (Hayden war´s glaube ich) und zum Abschluss seasonal music – Weihnachtslieder.

Spannend wurde es auf der Rückfahrt! Wie in einem anderen Bericht bereits erwähnt, gibt es an allen Ausfallstraßen Windhoeks Polizeikontrollen. Um nach Krumhuk zu kommen, fährt man hin und zurück durch eine solche durch. Verkehr, der die Stadt verlässt, wird nur selten kontrolliert, einfahrender Verkehr jedoch strenger. Wie auf der Hinfahrt schon nähern wir uns langsam der Kontrolle und stehen in einer Schlange Autos, die langsam vorrollt. Ich sitze am Steuer und habe dieses Mal an alle meine Papiere gedacht (Reisepass, europäischer Kartenführerschein und internationaler Führerschein). Zuversichtlich und freundlich reiche ich dem Beamten durch´s Fenster meinen Führerschein und sein Kollege schaut sich das Auto an. Ein kurzer Blick auf die Plaketten an der Windschutzscheibe reicht und wir werden von der Straße gewunken. Die license ist seit einigen Monaten abgelaufen. Wir sind natürlich völlig unwissend und sehr verunsichert. In einem kurzen Gespräch mit den Beamten stellen wir klar, dass uns das Auto gar nicht gehört und wir keine Ahnung von der ganzen Geschichte haben. Die Plaketten müssen jährlich erneuert werden und aus irgendeinem Grund wurden alle Plaketten der Vorjahre in einem Täschchen direkt neben der „aktuellen“ aufbewahrt. Diese, behaupteten die Beamten dann, seien Fälschungen oder Kopien, beides natürlich völlig illegal. Da wir auch keine Fahrzeugpapiere im Auto hatten, mussten wir dann die Besitzerin (eine Lehrerin an der Schule) anrufen. Zum Glück ist sie sofort drangegangen und gekommen. Das hat aber seine 25 Minuten gedauert, in denen wir im Auto gewartet haben. Eine völlig absurde Situation. Nach einer Weile winkt mich einer der Beamten wieder zu sich und fragt, wie viele Leute wir denn im Auto seien. Ich sage „fünf“ und denke mir nichts dabei. Alles richtig, wir sind dieses Mal nicht überladen (wir sind schon mit neun Leuten in dem winzigen Auto durch Windhoek gefahren…). Dann zeigt er mir die alte Plakette, auf der eindeutig vermerkt ist, dass das Auto nur für vier Personen zugelassen ist. Zu allem Unglück fahren wir also auch noch „overload“, wie es hier so schön heißt.

Die Beamten werden zunehmend sauer und sagen, dass die ungültige Plakette schon Grund für eine Verhaftung sein könnte, sind aber bereit noch auf die Besitzerin zu warten. Nach langer Warterei kommt sie endlich! Sie hat die aktuelle Plakette dabei, die ihr per Post zugeschickt wurde, die sie aber vergessen hat, anzukleben. Der für uns zuständige Beamte ist damit schon zufriedener gestimmt und will uns mit einer Verwarnung davonkommen lassen. Dass wir überladen gefahren sind, ist aber immer noch ein Problem. Als er mich dann zu sich ins „Büro“ – ein alter Container am Straßenrand – ruft, bin ich innerlich schon bereit, die wie auch immer ausfallende Strafe zu bezahlen. Seit Ankunft der Papiere ist er uns schon deutlich wohler gesinnt und beginnt mit mir zu quatschen. Wo wir herkommen, wo wir arbeiten und was wir machen, wie lange wir da sind und so weiter. Skurril wird es, als er fragt, ob die vier Mädels meine Familie seien, meine Schwestern. Als ich das verneine, fragt er:
„Sind das Deine Freundinnen, mos!?“‚
„Nein, nur eine davon.“
„Ah, welche denn, die vorn? Die hätte ich auch genommen, mos. Was ist mit den anderen, mos?“
Mit einem unbehaglichen Lachen versuche ich, das Thema zu wechseln. Er erklärt mir, dass er für das overload-Fahren 1.000 NAD berechnen wird, die Sache mit der Plakette lässt er so durchgehen. Ohne dass ich irgendwie weiter verhandele, erlässt er mir die 1.000 und spricht eine Verwarnung und 200 Dollar Bußgeld aus (12 Euro). Das will er aber auch noch der Besitzerin erklären, die ich schnell hole. Die beiden fangen an zu quatschen und er schwärmt von unserem Auto (VW Citi Golf). Früher hatte er auch mal so eins, tolles Auto.
„Nein, wir haben nur Ärger mit dem Auto!“ sagt sie.
„Na dann verkauft es mir doch, ich nehme das gern, mos!“ sagt er und meint es so ernst, dass er seinen Namen und seine Telefonnummer für uns aufschreibt und sie bittet, sich bei ihm zu melden.
Irgendwie hat sie es geschafft, ihn um den Finger zu wickeln und nach über einer Stunde in der Polizeikontrolle, ohne gültige Plakette und mit zu vielen Leuten im Auto werden wir von ihm mit einem Handschlag und einem: „No fine for you, mos!“ entlassen. „Heut kein Bußgeld, mos.“

Tja, die Polizei in Namibia. So froh ich bin, aus dieser eher schlechten Situation heil und glimpflich rausgekommen zu sein, so merkwürdig finde ich ihr Verhalten. Einerseits sehr korrekt bei der Kontrolle, im Gespräch lassen sie sich aber andererseits schnell weichklopfen und nach ein wenig Flirterei und gutem Willen, sind alle Vergehen und Bußgelder vergessen.
Hat es ihnen Spaß gemacht uns Zappeln zu sehen? Bestimmt. Dachten wir, sie meinen es ziemlich ernst? Ja. Hätten wir die Strafe bezahlt? Natürlich. Und warum hat er es uns einfach erlassen und uns fahren lassen? Freundlichkeit? Mitleid? Keine Lust sich um den Papierkram zu kümmern? Keine Ahnung. Aber sicherlich hat das Angebot, die Blechkiste auf Rädern (wie schrottig das Ding wirklich ist, weiß er nicht) zu verkaufen, seinen guten Willen bestärkt.
Haben wir trotz fehlender Strafe etwas daraus gelernt und werden uns bessern? Die neue Plakette bringen wir auf jeden Fall an und jetzt wissen wir immerhin, dass wir theoretisch nur zu viert fahren dürften.

Und die Moral von der Geschicht?
Namibische Polizisten versteh ich nicht.


 

Mos

Füllwort aus dem Afrikaans ohne wirkliche Bedeutung, in etwa wie das deutsche „ne“ oder „gell“. Mos wird im Namlish sehr regelmäßig angewandt und dabei vor allem ans Satzende gestellt, wie z. B. bei I like this place mos! (dt. Ich mag es hier!)

Wikipedia


 

… und was wir sonst noch so gemacht haben

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