Ein Besuch in Otumborombonga

Asnath, die Hostelmutter bei uns an der Schule, hatte uns Volunteers schon vor einiger Zeit eingeladen, sie in ihrem Dorf besuchen zu kommen. Im letzten Mid-Term Break haben wir es jetzt gemacht. Das soll ein kleiner Erfahrungsbericht sein und zeigt natürlich nicht die Situation in ganz Namibia oder gar „wie die in Afrika leben“! Das Leben der Menschen in Namibia ist geprägt von starken Kontrasten. Auf der einen Seite gibt es die modernen Großstädte, wie wir es in Windhoek kennengelernt haben, und auf der anderen Seite viele Menschen, die auf dem Land z.T. noch als Selbstversorger leben. Letzte Woche hatten wir also die Möglichkeit, auch diese Seite Namibias kennenzulernen. Mein Bericht darüber ist wertfrei gemeint und soll euch lediglich einen Eindruck vermitteln.

Kurz hinter Okakarara, einer kleinen Stadt südlich des Waterbergs, bricht die Teerstraße ab und geht über in eine breite Pad, die sich durch das weite Buschland im Osten Namibias zieht. Dreißig Kilometer fahren wir weiter, passieren zwei Dörfer und halten schließlich in Otumborumbonga. Das ist Asnaths Heimat. Hier ist sie aufgewachsen und besitzt noch immer ein Stück Land und ein Haus, obwohl sie schon seit vielen Jahren in Windhoek lebt und arbeitet. Hier auf dem Land verbringt sie gern ihre Ferien, besucht Freunde und engagiert sich in der Gemeinschaft.

Die Gegend um den Waterberg ist ehemaliges Hereroland, Okakarara war die dazugehörige Hauptstadt. Während der südafrikanischen Mandatszeit wurden die verschiedenen Bevölkerungsgruppen Südwestafrikas (heute Namibia) nach dem Vorbild der rassistischen und unterdrückenden Segregations-Politik Südafrikas eigenen Siedlungsgebieten oder Reservaten, den sogenannten Homelands, zugeteilt. Die Apartheid ist heute abgeschafft, trotzdem leben immer noch viele in den Gegenden, in denen sie und ihre Eltern aufgewachsen sind.

Der erste Eindruck? Ein kleines, etwas verschlafenes, ausgedehntes Dorf, ähnlich den vielen anderen, die wir in Namibia schon öfter im Vorbeifahren gesehen haben. Es ist still hier. An der durchquerenden C47 liegen ein kleiner Laden und die Bar, an der Tankstelle gibt es schon seit langem keinen Sprit mehr. Das ist auch schon das Zentrum, wenn man so will. Bei der letzten Zählung vor einigen Jahren waren es etwa 1.000 Einwohner, erzählt uns Asnath.

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Die Häuser stehen weitläufig, teilweise verstecken Büsche und Bäume die Nachbarn. Jede Familie besitzt hier ein Grundstück, meist abgesteckt und eingezäunt.

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 Auch Asnath hat hier ein Stückchen Land auf dem zwei Wohnhäuser und ein kleiner Schuppen stehen. Eines von beiden bewohnt sie, das andere gehört einem anderen Familienmitglied. Auf einer Betonplatte steht das Haus, Wellblech bildet Außenwände und Dach. Die Innenwände sind mit Lehm verputzt und isolieren entsprechend etwas, die Fenster sind mit Blech verschlossen, der Dachstuhl besteht aus jungen dünnen Baumstämmen. In dem Einzimmer-Haus ist es dunkel, aber das wenige Licht, das von draußen hineinfällt, reicht zur Orientierung. Ein großes Bett steht in einer Ecke, mehrere Schränke beherbergen alle Küchenutensilien, Kleidung usw.

Tische und Stühle werden nach draußen gebracht. Wir essen im Freien. Wasser holen wir in einem 20l-Eimer von den Nachbarn, Asnaths Wasserleitung auf dem Grundstück ist abgeschaltet worden. Wir kochen auf offenem Feuer in gusseisernen Töpfen. Strom haben hier nur Häuser, die sich ein Solarpanel angeschafft haben. Das reicht für den Kühlschrank der Bar und zum Aufladen der Handys. Für die meisten ist das Feuer hier die Hauptenergiequelle, obwohl Brennholz ein eher rares gut ist, da Bäume nur sehr langsam wachsen.

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Am ersten Abend gibt´s bei uns Nudeln und Tomatensoße aus dem Potjie-Topf
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Katzenwäsche am nächsten Morgen

Leben tun die meisten Menschen hier von der Viehzucht. Schafe, Rinder und Ziegen durchstreifen, z.T. von Hirten begleitet, den Busch, auf der Suche nach etwas zu fressen. Gräser wachsen hier nach dem schlechten Regenjahr kaum, der Boden ist sandig. Ihr Wasser bekommen die Tiere aus dem Damm. Ein guter Regentag hat ihn über die Hälfte gefüllt, davon trinken sie auch Monate nach den letzten Regentropfen immer noch. Die Farmer müssen hoffen, dass es bis zur nächsten Regenzeit reicht. Sonst werden sie ihr Vieh mit teurem Trinkwasser versorgen oder das Vieh verkaufen müssen. Aber die eigene Lebensgrundlage zu Dumpingpreisen wegzugeben ist eigentlich keine Option.

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Wir waren überrascht in einer so trockenen Gegend offenes, natürliches Wasser zu finden

Andere Jobs gibt es kaum. Einige gehen wie Asnath in die nächsten größeren Städte oder nach Windhoek und schicken Geld an die Verwandten in der Heimat. So kommen sie irgendwie über die Runden.

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Ein Gruppenfoto muss natürlich auch sein…

Am unserem einzigen vollen Tag (wir waren nur zwei Nächte da) sind wir Farbe kaufen gegangen und haben dann den dörflichen Kindergarten gestrichen. Die Farbe ließ die vorher rostigen Bleche neu erstrahlen und für die Kinder war es auch ein Highlight mit uns zu streichen und spielen.


Für eine zweite Perspektive auf unser Erlebnis, schaut auf dem Blog unserer Mitfreiwilligen Anna vorbei!

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