Biologisch-dynamische Landwirtschaft in Namibia – die Krumhuk Farm

Krumhuk wurde auf diesem Blog ja schon öfter erwähnt, aber in diesem Beitrag wollen wir die Farm einmal genauer vorstellen, nachdem wir Ende Februar fünf Tage dort verbracht haben.

Die Geschichte Krumhuks begann wie die vieler Farmen in Namibia: das Gelände wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einer deutschen Familie erworben und über Jahrzehnte von ihr bewirtschaftet. Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entschied sich einer der Nachfahren dieser Familie, in dessen Besitz die Farm mittlerweile übergegangen war, etwas neues in Namibia auszuprobieren. Als erste Farm führte Krumhuk die biologisch-dynamische Landwirtschaft, auch bekannt als demeter-Landwirtschaft, ein. Damit einher ging die Übergabe der Farm von Privatbesitz in die Hände einer Stiftung.
Auf Krumhuk leben heute ungefähr 90 Menschen, darunter die Familie Voigts, der das Gelände in der Vergangenheit gehörte. Sie bewirtschaften gemeinsam das rund 8000 Hektar große Farmgelände. Kernstück der Landwirtschaft bildet der Gemüsegarten, in dem das ganze Jahr über Bio-Gemüse angebaut wird. Daneben werden Hühner und Milchkühe an der Hofstätte gehalten. Es gibt eine Bäckerei, eine Milchküche und ein Schlachthaus. Hier werden auf der Farm geschlachtete oder geschossene Tiere direkt zu Steak, Salami oder Bratwurst verarbeitet. Das Fleisch stammt zum Einen von den Rindern, die in einer großen Herde das Farmland beweiden sowie von Wildtieren wie Zebras, Oryxantilopen oder Kudus. Die Farmprodukte werden jeden Samstag auf dem Green Market in Klein Windhoek an der Christengemeinde verkauft.
Um den Wildbestand in der Region zu schützen, bildet Krumhuk mit benachbarten Farmen eine sog. Conservancy, in der die Tiere ungehindert in einem natürlichen Habitat umherziehen können. Die Tiere vermehren sich so stark, dass Krumhuk, nach Absprache, fast wöchentlich eine Antilope oder ein Zebra erlegen kann. Dies wird dann verarbeitet und entweder verkauft oder an die Mitarbeiter ausgeteilt.

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Blick auf die Farm vom „Katzenberg“; im Vordergrund Wohnhäuser, links hinten die Gästehäuser

Rinderherde

Eine 530 Tiere umfassende Rinderherde beweidet das ganze Jahr über die Weiten des Farmgeländes. Seit einigen Jahren werden sie von Hirten gehütet, die die Tiere den ganzen Tag und nachts bewachen. Dabei geht es einerseits um die systematische Beweidung, um den Bewuchs zu fördern und Verödung und Verbuschung zu verhindern. Andererseits soll die Herde so vor Raubtieren und Wilderern geschützt werden. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Namibia momentan und der Nähe zu Windhoek ist die Farm stark von Wilderei betroffen. Mehrmals pro Woche verzeichnet die Farm Verluste, allerdings nicht so sehr bei den Kühen, sondern eher bei den Wildtieren. Mit Schlingen und Speeren machen sich manche Wilderer nachts in der Dunkelheit auf die Jagd, andere verwenden hochmoderne Schusswaffen. Die lange Grenze zu Straße kann auch die Anti-Poaching-Unit nicht vollständig sichern.
Um die Tiere, vor allem die Kälber, vor Geparden und Leoparden zu schützen, werden die Hirten seit zwei Jahren von einem Anatolischen Hirtenhund unterstützt. Dieser hüfthohe Hüne wird traditionell als Herdenschutzhund eingesetzt, d.h. er verteidigt die Herde selbstständig gegen Raubtiere. In vergangen Jahren hat Krumhuk bis zu 40 Kälber pro Jahr an Raubkatzen verloren. Seitdem dieser Hund die Herde bewacht, ist kein einziges mehr getötet worden. In Namibia wird diese Rasse vom Cheetah Conservation Fund gezüchtet und günstig an Landwirte verkauft, um so zu verhindern, dass die Farmer die Raubkatzen erschießen.

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Über Nacht wird die Herde in einen Kral getrieben, um sie vor Raubtieren zu schützen
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Die Kälber werden in der Herde nicht von ihren Müttern getrennt und auch junge Bullen laufen so lange mit, bis sie verkauft oder geschlachtet werden

Landwirtschaft unter extremen Bedingungen

Die Wilderei ist nicht das einzige Problem der Farmer. Auch das extreme Klima und die Bodenbeschaffenheit erschweren eine erfolgreiche Landwirtschaft. Der Boden für den Gemüsegarten musste zum Beispiel mühselig über Jahre hinweg mit Dung aufbereitet werden, bevor er die aktuelle Reichhaltigkeit hatte. Völlig machtlos sind die Landwirte aber in Bezug auf die Niederschlagsmenge. Circa 350ml muss es pro Jahr regnen, damit genug Wachstum stattfindet, um die Rinderherde und die Wildtiere zu versorgen. Die Hauptregenzeit in Namibia ist von Dezember bis März. Bisher hat es aber noch lange nicht ausreichend geregnet. Das ist ein besonderes Problem, weil auch das vergangene Jahr nicht sehr niederschlagsreich war. Wenn es nicht bald und viel regnet, wird Krumhuk seine Rinderherde deutlich verkleinern müssen, um die Tiere durchzubringen.
Die Dürre hat die Farm vor kurzem auch schon zum Verkauf eines Geländes im Norden Namibias gezwungen. Über einige Jahre wurden dort Futtermittel und Getreide angebaut, doch nach sieben Jahren mit fünf Dürrejahren musste die Produktion aufgegeben werden. Seitdem muss das Futter für das Milchvieh zugekauft werden.

Tourismus

Neben der Landwirtschaft wird das Farmgelände auch touristisch genutzt. In mehreren Gästehäusern wohnt man sehr idyllisch mit Blick auf die umliegenden Berge. Wer sich nicht selbstversorgen möchte, kommt in den Genuss der Köstlichkeiten, die in der Hofküche zubereitet werden. Mit vielen Wanderwegen und den obligatorischen Wildfahrten bietet Krumhuk mehr als die klassischen „Ferien auf dem Bauernhof“.

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Pädagogisches Konzept

Das Besondere an Krumhuk ist sein pädagogisches bzw. soziales Konzept, das vorsieht, alle auf der Farm lebenden Menschen gemäß ihrer persönlichen Fähigkeiten zu fördern. Dazu gehört, dass die Kinder der Mitarbeiterfamilien einen Platz an der Waldorf School Windhoek durch Patenschaften in Deutschland finanziert bekommen. Außerdem gibt es einen farmeigenen Waldorfkindergarten, in dem auch eine Freiwillige von den Freunden der Erziehungskunst arbeitet. Einige Jahre lang unterhielt Krumhuk auch ein Ausbildungszentrum für Bio-Landwirte, das jedoch aus personellen und finanziellen Gründen schließen musste.


Wer mehr über Krumhuk erfahren möchte, findet ausführlichere Informationen auf der Website der Farm.

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