Vic Falls Trip Teil 2: Chobe Nationalpark

29. Dezember, Maun – Kasane

Heute geht es um acht Uhr mehr oder weniger ausgeschlafen los. In der Stadt decken wir uns noch mit Vorräten und Snacks ein und tanken unsere 130-Liter-Tanks voll. Damit sollten wir es entspannt bis Kasane schaffen. So richtig los kommen wir also erst gegen neun Uhr, doch es dauert alles länger als geplant. Zweimal werden wir in den nächsten zwei Stunden von der Polizei angehalten, am ganzen Tag dreimal. Ich bin mit unserem Auto vorne, bin mit den anderen aber so in ein Gespräch vertieft, dass ich die Geschwindigkeit nicht so im Blick habe. Dem zweiten Auto ist das zu langsam und lachend und winkend werden wir von ihm überholt. Keine fünf Minuten später bremst es vor uns abrupt ab und wird von einem Polizisten rausgewunken – ein mobiler Blitzer! So etwas haben wir in Namibia noch nie gesehen. Wir dürfen weiterfahren und die anderen müssen an der nächsten Polizeikontrolle ein saftiges Bußgeld zahlen. Die nächsten zwei Stopps bei der Polizei sind reguläre Kontrollen an den sogenannten Roadblocks. Die finden sich vor fast jeder größeren Stadt, nicht nur in Namibia, sondern offenbar auch in Botswana. Polizisten stoppen den gesamten Verkehr und lassen ihn im Schritttempo vorbeifahren. Mal winken sie einen einfach weiter, mal wollen sie die Papiere sehen und stellen Fragen zu Zweck und Ziel der Reise etc. Mit denen hatten wir zum Glück nie ein Problem – wir haben ja Papiere dabei und verkehrstaugliche Autos.
Oft wurden wir von den Straßen in Botswana gewarnt, doch bisher ist noch alles top gewesen – bis auf die vielen Tiere am Straßenrand vielleicht, die gern mal über die Straße laufen und das Unfallrisiko deutlich erhöhen. Hier, kurz hinter Maun, erleben wir das erste mal, was eine schlechte Schnellstraße ist. Ein Schlagloch hinter dem anderen, zum Teil richtig tief. Unsere Geschwindigkeit variiert von 10 bis 80 km/h und der Fahrstil ist geprägt von abruptem Abbremsen und vor allem Schlangenlinien.
Ab Nata, etwa der Hälfte unserer Tagesstrecke, wird die Fahrt spannend, denn wir kommen durch einen der vielen Nationalparks in Botswana. Insgesamt sehen wir zehn Elefanten, drei Zebras, zwei Steinböckchen und einen Strauß. Nah an der Straße und in einem offenen Gebiet.
Für das letzte Stück der heutigen Tour werde ich nach gut 1.000 Kilometern zum ersten mal als Fahrer abgelöst. Das soll aber keine Klage sein, mir macht das Autofahren Spaß und es gibt mir auf langen Fahrten etwas zu tun. Am Nachmittag beginnt es dann auch zu regnen – viel und lang. Botswana hat mehr Regen und ist deutlich grüner als die meisten Teile von Namibia. Eine sehr angenehme Abwechslung!
Über eine 4×4 Strecke, also eine nur für Allradfahrzeuge befahrbare Sandpiste, erreichen wir unser Camp für die nächsten zwei Nächte. Camp Senyati liegt etwa zwanzig Kilometer vor Kasane mitten im Busch, an einem schönen Wasserloch. Auf den ersten Blick ein wunderschönes, fast luxuriöses Camp: wir haben eigene Toiletten und Duschen und eine sehr große überdachte Fläche zum sitzen, kochen etc. Auf den zweiten Blick ist es doch eher heruntergekommen: der Pool ist super dreckig, Strom und Internet funktionieren nicht und die Sanitäranlagen sind voller Insekten.

Zum Abendessen gibt es (mal wieder) Nudeln mit Tomatensauce. Nach einem langen Tag im Auto eine sehr leckere Mahlzeit! Plötzlich wird unser Abendessen von einem Ruf unterbrochen: „Elefant!“. Vielleicht fünfzig Meter von unserem Camp entfernt laufen gemächlich zwei Elefanten vorbei. Dazustehen und sie ohne den Schutz eines Zaunes oder des Autos zu beobachten, das flößt zumindest Respekt ein. Das gesamte Camp ist nicht mehr eingezäunt, da die Elefanten früher die Zäune auf der Suche nach Wasser (sie können das Wasser der Sanitäranlagen und des Pools riechen) eingerissen haben. Und so läuft man durch das Camp in dem Wissen, dass Wildtiere (auch Löwen halten sich in der Umgebung des Camps auf) freien Zugang hätten. Aber natürlich ist es immer gut auch daran zu denken, dass der Mensch nach wie vor die größte Gefahr für ein Tier ist und auch gefährliche Tiere uns nach Möglichkeit meiden werden.
Die Bar des Camps blickt direkt auf das Wasserloch und so setzen wir uns nach dem Essen in der Abenddämmerung hin und warten. Sehen tun wir an diesem Abend „nur“ eine Giraffe und eine riesige Herde Impalas in weiter Ferne. „Nur“, weil dieses Camp bekannt ist für seine großen Elefantenherden und auch Löwenrudel, die vor allem in der Trockenzeit zum Trinken an das Wasserloch kommen.

30. Dezember, Selbstfahrersafari im Chobe und Bootstour

Nach einer kurzen Nacht geht es heute früh los. Kurz vor fünf klingeln die Wecker, die Zelte müssen abgebaut werden, frühstücken und dann geht es um sechs Uhr los. Der Eingang zum Chobe Nationalpark ist in zwanzig Minuten erreicht, aber es herrscht große Ungewissheit über Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Der Reiseführer und verschiedene Websites sagen alle Unterschiedliches und so haben wir etwas Glück, dass der Park tatsächlich schon um sechs auch für die Selbstfahrer öffnet. Für umgerechnet 10 Euro pro Person und nochmal die Hälfte pro Auto kommen wir dann endlich in den Chobe Nationalpark.
Der Teil, den wir vom Chobe gesehen haben, ist kaum mit dem Etosha Nationalpark in Namibia zu vergleichen. Große Teile sind dichter, grüner Wald, andere Teile sind mit einzelnen Büschen bewachsene Wiesen. Berühmt ist der Chobe vor allem für seine riesige Elefantenpopulation. Seinen Namen verdankt der Park dem Chobe River, der den Park im Nordosten begrenzt. Diese Ecke ist auch unser Ziel, denn am Fluss ist bestimmt viel zu sehen, denken wir uns.
Die Straßen im Park sind Sand- und Matschpisten – mal bessere, mal schlechtere. Nur weil wir Allradfahrzeuge haben, ist es uns überhaupt möglich den Park auf eigene Faust zu erkunden – ohne Geländewagen hätte man uns nicht einmal reingelassen.

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Zum Teil sind die Pfützen überraschend tief – stecken geblieben sind wir zum Glück aber nicht

Unten am Wasser angekommen können wir auf einer sandigen Strecke relativ nah am Fluss entlangfahren. Der ist an dieser Stelle aber kein schmales, schnell fließendes Gewässer, sondern breitet sich weiter aus, mit vielen kleinen Tümpeln und Seen. Impalas sehen wir sehr viele aus der Nähe und unten am Wasser sind in der Ferne Wasserböcke, Büffel, Hippos, Marabus und Fischadler zu sehen. Auch wenn wir schon im Camp in Maun und auf der Mokoro Tour Hippos im Wasser gesehen haben, ist es hier noch einmal richtig spannend, Hippos auch an Land zu sehen. Mit dem Büffel können wir jetzt sogar die Big Five als gesehen abhaken: Löwe, Leopard, Nashorn und Elefant in Etosha und Büffel im Chobe.
Mit sehr viel Geduld, guten Augen und Ferngläsern entdecken wir sogar mehrere kleine Krokodile. Allerdings zeigen die sich nur mit den Augen über Wasser, wenn überhaupt.
Für eine Frühstückspause fahren wir zu einem extra gekennzeichneten Picknickplatz, wo wir schon von süßen kleinen Affen erwartet werden. Sehr hungrig packen wir unsere Sachen aus und wollen uns ein Sandwich machen, als schon die Affen kommen und uns das Essen streitig machen wollen. Überhaupt nicht menschenscheu werden sie sogar etwas aggressiv und lassen sich nicht verscheuchen. Notgedrungen schmieren wir unsere Brote im Kofferraum und verzehren sie anschließend im sicheren Auto, während wir von den Äffchen mit neidischen Blicken bedacht werden.

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Trauriges Äffchen, weil wir unsere Brote jetzt im Auto essen

Nach der Frühstückspause geht es wieder los, ein zweites Mal an den Fluss. Während der Fahrt durch den Wald sehen wir eine Giraffe und mehrere Elefanten. Im Wald sind sie aber nicht gut zu sehen, da sie sich dort natürlich besser verstecken können als in der offenen Savanne. Wieder am Fluss sehen wir Warane (eine langgestreckte Echse, unsere Exemplare waren mit Schwanz etwa einen Meter lang). Auch sehen wir Hippos mit einem „kleinen“ Baby dabei und in größerer Entfernung ein junges Krokodil, welches regungslos an der Uferböschung liegt. Nachdem wir bisher nur die Augen gesehen haben, ist das schon etwas besonderes. Auch zwei Elefanten können wir beobachten, wie sie zum Trinken ans Wasser gehen. Anschließend spritzen sie sich in den Feuchtwiesen mit  Schlamm voll, um sich vor der Sonne zu schützen. Egal wie viele wir schon gesehen haben, Elefanten sind immer wieder beeindruckend!

Nachdem wir die Autos etwa fünf Stunden durch´s Gelände gejagt haben, brauchen wir alle eine Pause. Wir fahren zum Mittagessen nach Kasane. Wir setzen uns in ein Restaurant und freuen uns auf eine Pizza, aber da der Käse leider aus ist, müssen wir uns was anderes suchen. Wir werden trotzdem alle satt. Nach dem Essen gehen wir einkaufen und haben ein bisschen Zeit in der Stadt, bis zu unserem nächsten Programmpunkt: die Bootstour auf dem Chobe River. Zu acht haben wir ein privates Motorboot mit Guide und ein paar Getränken und Snacks. Um vier Uhr geht es los, fast zweieinhalb Stunden haben wir Zeit, um die Tiere, die wir am Tage schon gesehen haben, noch einmal vom Wasser aus zu beobachten.
Wir sind noch keine zehn Minuten unterwegs, als wir schon dem ersten Highlight begegnen, nach dem wir den ganzen Vormittag gesucht haben: einem ausgewachsenen Nilkrokodil! Bis auf zwei-drei Meter können wir an dieses große Raubtier heran. Die Aufmerksamkeit wahrscheinlich genießend liegt es direkt am Ufer im Gras und lässt sich von unserer Anwesenheit und Aufregung beim Sonnen nicht weiter stören. Drei bis vier Meter werden diese Süßwasserkrokodile üblicherweise lang, sechs Meter sind möglich. Das ist schon eine sehr eindrückliche Begegnung!

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Nicht nur das Krokodil, sondern auch Hippos können wir vom Boot aus beobachten. Sowohl im Wasser als auch an Land kommen wir diesen riesigen Tieren viel näher als noch am Vormittag, insofern ist die Bootstour eine perfekte Ergänzung. Im Laufe des Abends sehen wir noch einige ausgewachsene Krokodile am Ufer liegen. Auch Wasserbüffeln, die wir am Morgen nur von weit weg sehen konnten, kommen wir mit dem Boot deutlich näher. Den Fluss und seine Tier- und Pflanzenwelt vom Wasser aus zu erleben, ist für uns alle nochmal etwas anderes und sehr schönes. Auch ist es schön einen Guide dabei zu haben, der interessante Dinge zu erzählen hat und auf besondere Vögel und andere Tiere aufmerksam machen kann. Es ist nämlich doch einfacher ein Krokodil zu entdecken und identifizieren als einen Giant Kingfisher, der einen Fisch im Schnabel hat und auf einem Ast hoch im Baum sitzt.

 

Nachdem wir wieder an Land gehen, sind wir alle sehr beeindruckt aber auch erschöpft. Schnell geht es zurück ins Camp, denn am nächsten Tag soll es früh losgehen. Die Victoria Fälle in Simbabwe warten!

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