Vic Falls Trip Teil 3: die Victoriafälle und Caprivi

Hier ist der letzte Teil unseres Reiseberichts. Viel Spaß beim Lesen!


31. Dezember, Kasane – Victoria Falls (Simbabwe)

Heute geht es für uns in das dritte Land auf unserer Route. Simbabwe liegt nördlich von Namibia und Botswana und ist im Vergleich zu seinen Nachbarn sehr arm. Das Land ist gebeutelt von Wirtschaftskrisen, Hyperinflationen und politischen Repressionen des ehemaligen Diktators Robert Mugabe. 95% der Bevölkerung ist arbeitslos, weltweit ist Simbabwe eines der am stärksten von HIV und Aids betroffenen Länder, das jährliche Durchschnittseinkommen beträgt 860 USD (Deutschland: 47.000 USD), Hoffnung auf Besserung der wirtschaftlichen Lage gibt es nur wenig.
Uns zeigte sich die schwierige Situation des Landes vor allem in den horrenden Preisen für Lebensmittel: 13 USD für ein Sixpack Bier, 8 USD für einen Liter Saft, 10 USD für eine kleine Pizza, 8 USD für ein Kilo Äpfel. Zum Glück sind wir vorgewarnt und haben in Botswana schon ordentlich eingekauft.

Doch bevor wir ankommen, müssen wir erst einmal über die simbabwische Grenze, vor der wir viel gewarnt wurden. Lange Wartezeiten, chaotische Verhältnisse, Korruption – etwas unseriös ist auch schon die ungeteerte, von tiefen Löchern übersäte Straße, die irgendwo in Kazongula von der Hauptstraße abzweigt und zum Grenzübergang führt. Leicht nervös stellen wir uns in die Warteschlange. Ein „Agent“ nimmt die Papiere für unser Auto mit, angeblich müssen wir uns um nichts kümmern. Nach einer Stunde erreichen wir endlich das kleine Fenster im Container, hinter dem ein erstaunlich freundlicher Grenzbeamter sitzt. 30 USD für ein einmaliges Visum für Deutsche. Das sind die offiziellen Preise, die wir auch auf der Website gesehen haben. Wir müssen in bar zahlen, aber darauf sind wir vorbereitet. Jetzt nur noch die Gebühr für die Autos, die wir zur Hälfte mit Kreditkarte bezahlen dürfen. 100 USD für jeden Wagen sind ganz schön viel, aber so ist es eben. Nach weiteren dreißig Minuten stehen wir mit gestempelten Pässen und einer Erlaubnis für das Passieren vor dem Gate. Alles ist gut und überraschend schnell gegangen.

Von der Grenze sind es noch etwa 70 Kilometer bis Victoria Falls, der Stadt an den Viktoriafällen, die extra zur Beherbergung der Touristen aufgebaut wurde. Hotels, Hostels, Campingplätze, ein paar Lodges, Supermärkte, Reisebüros und Restaurants – viel mehr gibt es hier nicht zu sehen. Unser Campingplatz, das Victoria Falls Rest Camp, ist ziemlich groß und ziemlich voll. Wir sind wohl nicht die einzigen, die Silvester an den Falls verbringen wollen. Sascha und ich entschließen uns, nicht mit den anderen in die Stadt zu gehen, sondern lieber mal den Pool auszutesten. Als wir uns gerade umgezogen haben, fallen die ersten Regentropfen. Nachdem wir eine halbe Stunde im Auto den Schauer abgewartet haben, schaffen wir es doch noch in den Pool. Wir lassen uns vom Wetter nicht unterkriegen!

Das neue Jahr wollen wir auf der „größten Silvesterparty Afrikas“, wie sie im Internet angepriesen wird, verbringen. Der Vic Falls Carnival dauert drei Tage und ähnelt einem großen Festival. Das eingezäunte Gelände beherbergt eine große Bar, verschiedene Stände, an denen man Souvenirs und Snacks kaufen kann, und natürlich die Bühne. Verschiedene bekannte Künstler aus dem südlichen Afrika bilden das Line-Up und die Stimmung ist wirklich sehr gut, als wir bei der Party ankommen. Das einzige was der Party fehlt, ist ein Feuerwerk um Mitternacht. Keine Ahnung, warum die Veranstalter ausgerechnet das ausgelassen haben.
Komischerweise verlassen schon vor ein Uhr viele das Gelände und so ist die Straße, an der wir geparkt haben, sehr geschäftig, als wir irgendwann zum Wassertrinken ans Auto zurückkehren. Sascha ruht sich schon auf dem Fahrersitz aus, während ich mit drei anderen Mädels am Kofferraum beschäftigt bin. Auf einmal spricht uns ein junger Mann, offensichtlich betrunken, an. Wir verstehen nicht so wirklich was er möchte, nur dass er uns einen seiner Zim-Dollar-Scheine andrehen möchte, im Tausch gegen US-Dollar. Er ist eigentlich ganz freundlich, nach ein paar Minuten kommt ein Kumpel von ihm vorbei und versucht ihn von uns wegzuziehen, aber der Typ kann sich offenbar nicht von Christina losreißen. Erst als die Polizei in der im Schritttempo rollenden Wagenkolonne an uns vorbeifährt, wird er etwas unruhig. Die Polizisten rufen ihm zu, was er bei uns zu suchen habe und der junge Mann schaut verwirrt. Plötzlich geht alles ganz schnell. Wir rufen den Beamten noch zu, dass die Männer nicht gemacht und nur mit uns geredet haben, da springt auch schon einer der Polizisten aus dem Wagen und jagt dem davonrennenden Mann hinterher. Er versucht, zwischen den parkenden Autos zu entkommen, schafft es aber nicht weit und wird von dem Polizisten gepackt. Der zerrt ihn auf die Straße, schaut in seine Hosentaschen und brüllt irgendwas auf Englisch. Im nächsten Moment kommt sein Kollege hinzu und die beiden packen den jungen Mann und schmeißen ihn auf die Ladefläche ihres Pick-Ups. Der Polizeiwagen fährt weiter und wir stehen erschrocken da. Die Kumpel des Typen können ihm nur noch kopfschüttelnd hinterherschauen.
Nach diesem Schreck wollen wir alle nach Hause, doch auch die Rückfahrt wird nicht viel besser. Wir sind kaum auf die Hauptstraße abgebogen, als die Autos vor uns auch schon warnblinkend zum Stehen kommen. Wenige Meter vor uns sind nur einen Augenblick vorher zwei Autos ineinandergekracht. Personen befinden sich noch eingeklemmt darin. Binnen weniger Minuten ist die Straße total verstopft, an ein Vorbeikommen ist nicht zu denken und so bekommen wir mit, wie in den Minuten bis zum Eintreffen der Ambulanz die Menschen aus ihren Autos steigen und sich um den Unfall scharen.
Als endlich die Polizei eintrifft, können wir dann doch schnell weiterfahren. In Feierlaune ist jetzt niemand mehr.

01. Januar, Spaziergang an den Wasserfällen

Nach einer recht kurzen Nacht sind wir am heutigen Tag schon um halb zehn bereit, endlich das größte Ziel unserer Reise anzusehen: die Victoriafälle, die breitesten Wasserfälle der Erde und ein UNESCO-Weltnaturerbe. An der Grenze von Sambia und Simbabwe stürzen die Wassermassen des Sambesi in die Schlucht – wir können uns dieses Naturspektakel von Simbabwe aus anschauen. Wir gehen zu Fuß zum Eingang des Nationalparks, von dem aus man die Fälle zu Gesicht bekommt. 30 USD ärmer spazieren wir durch den dichten Wald, der auf der gegenüberliegenden Seite der Fälle wächst. Wir können das Tosen schon hören, lange bevor wir den ersten Aussichtspunkt erreicht haben und sich uns das erste Mal der Blick auf die Wasserfälle eröffnet.
Weil wir im Dezember reisen, sind die Victoriafälle nicht so massiv wie bei Wasserhöchststand im März/April, aber dennoch beeindruckend. Wir können gar nicht genug von dem kühlen Sprühregen bekommen, der uns gegenüber der Mainfalls erreicht und uns nach wenigen Minuten völlig durchnässt dastehen lässt. Worte können der Schönheit dieses Ortes niemals gerecht werden. Deshalb lassen wir lieber Bilder für sich sprechen (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

 

Die unzähligen Kilometer, die wir zurückgelegt haben, die vielen Stunden im Auto, die Warterei an den Grenzen – all das hat sich mehr als gelohnt für dieses Naturwunder. Drei Stunden halten wir uns im Park auf, gehen bis zum Danger Point ganz im Osten, wo der Steilhang ohne Zaun 100m in die Tiefe geht, bestaunen den Regenbogen in der Schlucht und sehen den Mutigen zu, die von der Brücke Bungee Jumping machen. Dann treibt uns die Hitze doch zurück ins Camp, wo wir den Tag ganz gemütlich im Pool (endlich mal ohne Regen) und in der Bar ausklingen lassen.

02. Januar, Victoria Falls – Divundu (Namibia)

Heute geht es wieder einmal früh los. Schon um sechs Uhr sind wir mit dem Packen fertig und verlassen Victoria Falls. Eine Stunde später sind wir am Grenzübergang nach Kasane, Botswana, an dem es diesmal schnell und unkompliziert geht. In Botswana vertanken wir noch unsere letzten Pula und kaufen Snacks für die Fahrt und nicht viel später überqueren wir schon die Grenze nach Namibia. Die Strecke führt uns durch den sehr schön grünen, und erstaunlich dicht besiedelten, Caprivi-Streifen und bringt uns gegen 15 Uhr zu unserem Camp in Divundu. Geplant war eigentlich, erst einen Tag später von Victoria Falls direkt nach Rundu zu fahren, doch da wir wegen der vielen Grenzüberquerungen besorgt waren, ob das zeitlich zu schaffen wäre, entschieden wir uns dazu, Vic Falls einen Tag früher zu verlassen und in dem viel gepriesenen Ngepi Camp in Divundu einen Zwischenhalt zu machen. Im Nachhinein hat sich diese Vorsichtsmaßnahme als unnötig erwiesen, aber das konnten wir ja vorher nicht wissen. Außerdem hätten wir uns dieses Camp auf keinen Fall entgehen lassen wollen: Das Ngepi Camp liegt idyllisch am Okavango in einem lichten Wald und hat ein autarkes und umweltschonendes Konzept. Solarzellen und Solarthermie sorgen für Strom und heißes Wasser, das Wasser zum Duschen kommt aus dem Fluss. Aber das beste sind die Duschen selbst: durch Naturzäune vor Blicken geschützt kann man in Ngepi unter freiem Himmel duschen. Getoppt werden die Duschen nur noch von den Badewannen, die in ähnlichen Kabinen mit Blick auf den Fluss stehen. Und sogar von der Toilette aus könnte man Hippos und Krokodile beobachten – wenn sie sich denn zeigen würden.

 

Nachdem die Zelte aufgebaut sind, wagen wir uns sogar noch in den Pool, besser gesagt den „Hippo-und-Kroko-Tauch-Käfig“, ein mit Gitterstäben gesichertes, schwimmendes Becken direkt im Fluss. Das Flusswasser ist etwas dreckig, sodass wir relativ schnell entscheiden, den Rest des Nachmittags lieber in einer der Hängematten zu verbringen.
Zum Abendessen gibt es, mal wieder, Nudeln und im Anschluss daran zünden wir uns sogar ein kleines Lagerfeuer an. Gut, dass unsere Nachbarn an Grillanzünder gedacht haben. Zum Dank bekommen sie ein paar Liedchen gesungen. Doch auch heute werden wir vom Regen nicht verschont. Gerade als das Feuer so richtig brennt, fallen die ersten Tropfen und machen die gemütliche Stimmung kaputt. Schade.
In Ngepi wären wir gern noch länger geblieben, das Camp ist wirklich traumhaft schön! Zum Glück haben wir am nächsten Tag nur 200 Kilometer vor uns, sodass wir den Vormittag noch ganz entspannt in Divundu bleiben können.

03. Januar, Divundu – Rundu

Das nutzen wir auch so richtig aus! Endlich können wir mal ausschlafen und danach gönnen wir uns auf der Terrasse mit Flussblick ein leckeres Frühstück von der Bar. Manche von uns springen sogar noch einmal in den Pool.
Erst gegen halb zwölf packen wir die Zelte ein und werden ein weiteres Mal unliebsam vom Regen überrascht. Ein fetter Schauer sorgt dafür, dass wir alles hektisch ins Auto schmeißen und dann pitschnass Richtung Rundu aufbrechen. Zweieinhalb Stunden später sind wir in unserem letzten Camp angekommen. Es liegt wieder am Okavango, hier Grenzfluss zu Angola. Während die anderen noch nach Rundu fahren, springen Sascha und ich schnell in den Pool, bevor, wie sollte es auch anders sein, der Regen einsetzt. Danach warten wir im Restaurant der Lodge bei einer Tasse Heißer Schokolade auf die anderen, um den Tag mit einem gemeinsamen Essen abzuschließen.

04. Januar, Rundu – Windhoek

Der letzte Tag unserer Reise beginnt, wie eigentlich jeder andere, sehr früh. Noch im Dunkeln frühstücken wir, bauen die Zelte ab und packen das Auto und gegen sechs Uhr sind wir auf dem Weg nach Hause. Gut 700 Kilometer sind es noch bis Windhoek und wir wollen nicht zu spät ankommen, weil wir noch am selben Tag die Autos wieder abgeben müssen. Bis auf ein paar Pinkelpausen halten wir auch nicht an und rollen um kurz nach drei wieder auf den Schulhof. Hier erwartet uns eine große Überraschung: über zehn Tage hat sich der staubige graue Schulhof in eine von Grasflecken übersäte Grünfläche verwandelt. Etwas Regen ist in der Zwischenzeit wohl auch hier angekommen!

Mit vielen tollen Erinnerungen und dankbar, dass alles gut geganagen ist, sind wir nun wieder zurück und genießen noch den Rest unserer Ferien, bevor wir am 14. wieder anfangen zu arbeiten.


Wer noch aus anderer Perspektive über die Reise lesen möchte, kann mal auf den Blogs unserer Mitfreiwilligen vorbeischauen! Leonie berichtet hier, Annas Beitrag findet ihr hier und Christinas hier.

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