Monatsrückblick – November (Sascha)

Die Zeit vergeht schnell, obwohl einzelne Tage lang erscheinen.
Ein sehr trockener und heißer November ist vorbei und geht über in einen hoffentlich regenreichen Dezember.
Während meine Mitfreiwilligen erstmals richtig krank geworden sind, bin ich verschont geblieben und hoffe, dass es dabei bleibt.
Die Tage werden länger, die Mittagshitze ziemlich übel.
Namibia sieht sich gezwungen mit seinen limitierten Wasserressourcen sparsam umzugehen, auch wenn die Lage glücklicherweise noch nicht so schlimm wie in Kapstadt ist. An der Schule haben wir den Luxus eines eigenen Bohrlochs, das uns mit super Trinkwasser versorgt und sogar einen grünen Sportplatz ermöglicht.
Sehr faszinierend fand ich vor ein paar Tagen ein trockenes Gewitter über den umliegenden Bergen, welches leider sogar einen Buschbrand auslöste, der von uns aus zu sehen war.

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Blitze über dem Oberstufengebäude der Waldorf School Windhoek

 

Fundraising Event

Anfang des Monats hatte die Schule ihr jährliches Fundraising Event. Es gab einen kleinen Flohmarkt, viel Essen und Trinken und Aktivitäten für die Kinder. Für Teile davon waren wir Freiwillige zuständig. Wir haben Dosenwerfen, Gesichtsbemalung, Äpfel aus einer Wassertonne fischen und Parkourlauf organisiert. Für letzteres war ich mit dem Lehrer der zweiten Klasse zuständig, der das im letzten Jahr schon mal gemacht hatte. Jede dieser Aktivitäten konnte von den Kindern für einen sehr geringen Preis gemacht werden. Bei uns standen Unterhaltung und Spaß im Vordergrund, nicht das Einnehmen von großen Geldern. Während die Angebote der Mädels gut ankamen, konnten wir mit unserem Parkour den Erfolg vom letzten Jahr nicht wiederholen und saßen sehr viel herum.

Erst hinterher kam mir der Gedanke, dass von acht bis eins in der prallen Sonne zu sitzen doch etwas viel sein könnte. Und wie sich am nächsten Tag dann heraustellte, war es das tatsächlich. Ich hatte den ganzen Tag Kopfschmerzen, immer wieder war mir ziemlich übel und insgesamt war ich sehr erschöpft. Da ich den ganzen Tag eine Mütze getragen hatte, dachte ich, ich bin wohl sehr empfindlich. Aber dem Kollegen ging es am Tag danach ganz genau so. Die Sonne ist hier einfach ziemlich stark und nicht zu unterschätzen. Der Nachklang mit Schnupfen und Halsschmerzen hat mich noch eine Woche lang begleitet.

Chor

Die Musiklehrerin bei uns an der Schule ist mit ihrem Mann erst seit kurzem wieder bei uns, nachdem sie für ein paar Jahre wieder in der heimatlichen Schweiz waren. Auf ihre Frage hin, ob nicht jemand von uns Lust hätte im Chor zu singen, haben Johanna und ich uns gemeldet und sie hat uns mitgenommen. Sie hat verschiedene Chöre und Sänger aus Windhoek zusammengebracht und in sechs Wochen mit uns Tollite Hostias und Te Deum einstudiert. Viele der Sänger kannte sie aus ihren vorherigen Jahren hier, in denen sie auch viel Chorleitung und Musik gemacht hat. Am Samstag, Anfang des Monats, hatten wir dann eine Aufführung zusammen mit dem Orchester eines Musikinternats aus Karlsruhe, das für eine zweiwöchige Tournee in Namibia war. Die Kirche war voll und die Stimmung gut. Ein gutes Orchester und klassische Musik sind hier etwas besonderes, wurde mir gesagt, und das haben sich insbesondere viele ältere Leute nicht entgehen lassen.

Wieder zu singen hat mir echt Spaß gemacht und ich wurde auch direkt angesprochen und zu den Proben des Männerchors von Windhoek eingeladen. Das werde ich mir nach ihrer Pause über Weihnachten im neuen Jahr auf jeden Fall mal anschauen!

Gardening

Im Block hatte „meine“ fünfte Klasse Ende Oktober und Anfang November Gardening, Gartenbau. Die Klasse wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils nacheinander zwei Wochen lang täglich im Garten gearbeitet haben. Auch die zweite Gruppe hat ihr Stückchen Garten bekommen und bepflanzt, da sie aber etwas schneller gearbeitet hat, war noch Zeit für ein weiteres Projekt. Die Primary School besteht aus drei Gebäuden, die zusammen eine Art Innenhof bilden. Dieser Platz wurde mit Mauern schon gestaltet und zwei Bäume stehen da auch schon, das war unserem Gartenbaulehrer aber nicht genug. Die Jungs waren dafür zuständig viele, viele Steine aus dem an das Schulgelände angrenzenden Flussbett zu holen und die Mädels bereiteten die Erde durch Umgraben und Zugeben von Kompost vor. In die Mitte sollten drei Rosen gepflanzt werden und noch ein dritter Baum. Dieser musste an anderer Stelle aus der sehr harten Erde ausgegraben und in das vorbereitete Loch umgepflanzt werden.

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Die Jungs haben mir die großen Steine übergelassen, ich durfte also auch mal mit anpacken 😉 

Das ist jetzt das neu gestaltete Zentrum unseres täglichen Morgenkreises. Es war viel Arbeit und momentan bin ich fast jeden Nachmittag damit beschäftigt, die neuen Pflanzen fleißig zu bewässern, aber es hat sich gelohnt!

Klassenspiel

Zum Ende des Schuljahres hin haben die Klassenlehrerin und ich mit der Klasse ein kleines Theaterspiel eingeübt. Einen kleinen  Teil aus dem Epos um Orpheus, einem Dichter und Sänger der griechischen Mythologie, der zu Hades in die Unterwelt hinabsteigt um seine früh verstorbene Frau, Eurydike, zurückzuholen. Das Stück war auf Deutsch und noch dazu nicht ganz einfache Sprache und darum für viele eine echte Herausforderung. Schauspielerei in einer Fremdsprache. Es war aber nur etwa 20 Minuten lang und wer wollte, konnte auch eine Rolle ohne Text bekommen. Die Proben waren zum Teil sehr anstrengend, weil es den Kids echt schwer fiel auf Anweisungen zu hören und noch viel mehr, einfach mal kurz leise zu sein. Und so dachten wir noch bei der letzten Probe, das wird nur eine Blamage, aber irgendwie klappen die Dinge dann doch und die Kinder wissen doch plötzlich wann sie wo was sagen oder machen müssen.

Wir sind nicht auf die Bühne des Saals gegangen, sondern im Klassenraum geblieben und haben dort das Bühnenbild mit den Kindern entwickelt. Mit einem großen Tempel, der Tafel und vielen Tüchern brauchte es nicht mehr viel Fantasie, um mit Orpheus durch das alte Griechenland zu ziehen.

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Zusammen mit den Kindern durfte auch ich meine künstlerische Ader ausleben

Am Freitag, eine Woche vor Schulschluss war es dann soweit. Vormittags gab es eine Aufführung für die Klassen vier und sechs und mittags eine für die Eltern. Wie zu erwarten war die Aufführung vor den Eltern leichter und gelang überraschend gut!

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Umgeben von Hochzeitsgästen spricht Orpheus mit seiner Frau Eurydike

 

So viel erstmal von diesem vergangenen Monat. Die letzte Schulwoche ist angebrochen und dann sind bald schon große Ferien bis Mitte Januar. Dass die Adventszeit begonnen hat, ist für mich fast nur am Datum zu erkennen. Weihnachtliche Gefühle lassen noch auf sich warten – mal sehen, ob das für mich in diesem Jahr überhaupt was wird.

Euch allen eine besinnliche Zeit!

Viele Grüße

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