Monatsrückblick – November (Franziska)

Ein weiterer Monat ist vergangen. Drei Monate sind wir jetzt hier, ein Viertel unseres Auslandsjahres ist schon vorbei und einen Rückflug haben wir auch schon gebucht. Mittlerweile hat der Sommer wirklich Einzug gehalten, es ist jetzt oft bewölkt und hin und wieder regnet es. Jeder Schauer bringt kurze Momente wohliger Abkühlung, aber wir warten immer noch auf den richtig großen Regen.


Bevor ich mit dem Monatsrückblick beginne, möchte ich noch einen kleinen Nachtrag zu unserem letzten Blogpost „Was kostet Namibia?“ liefern. Beim Drüberschauen ist uns aufgefallen, dass die Preise im allgemeinen doch sehr billig wirken. Und das sind sie auch – aber nur für uns Europäer, die wir ausländische Währung und ausländische Gehälter, Renten oder Taschengelder mitbringen. Für viele Namibier sind die Preise alles andere als günstig und das liegt am deutlich geringeren Einkommen. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist fast 10x höher als das in Namibia*. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 120 Euro im Monat, mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos**. Was für uns also erschwinglich ist, ist nicht für jeden Menschen in Namibia so einfach zu bezahlen. Das wollten wir, der Vollständigkeit halber, noch klarstellen.

Schwimmen mit den AC Kindern

Seit Anfang des Monats gehen wir immer Donnerstags mit den Kindern aus dem Afternoon Care im „Pool“ des Hostels schwimmen. Mittlerweile ist es tagsüber so heiß (35°C und mehr), dass uns das eiskalte Wasser im Planschbecken eine sehr willkommene Erfrischung ist. Es ist zwar immer ein bisschen chaotisch und natürlich haben auch nie alle Kinder ihre Schwimmsachen dabei, aber großen Spaß macht es trotzdem. Den Kindern vielleicht ein kleines bisschen mehr als uns Betreuern.

Als wir einmal den Pool nach langem Putzen doch nicht aufstellen konnten, weil aus unserer Leitung einfach nicht genug Wasser kam, war die Enttäuschung verständlicherweise groß. Da haben Johanna und ich kurzerhand den Gartenschlauch geholt und eine kleine Wasserparty auf dem Schulhof veranstaltet, nur kurz zwar, weil in Namibia trotz allem Wasserknappheit herrscht, aber immerhin. Die Kinder bekamen ihre Abkühlung.

Letzte Woche sind wir dann mit den Kindern in den „richtigen“ Pool, also das Freibad, gefahren – leider ohne Johanna, weil die sich ein paar Tage vorher eine Mandelentzündung zugezogen hatte. Der Olympia Public Pool ist eine kleine grüne Oase, denn im Gegensatz zum Rest der Stadt darf hier ein wohlgestutzter Rasen stehen! Nach drei Monaten im trockenen Namibia ist es immer wieder eine freudige Abwechslung ein bisschen Grün zu sehen zu bekommen.

Da nicht alle Kinder schwimmen konnten, bin ich mit den kleineren im Kinderbecken geblieben, in dem das Wasser an der tiefsten Stelle nur hüfthoch ist. Wir haben geplanscht, uns gegenseitig nass gespritzt und durch das Wasser gejagt und dem einen oder anderen konnte ich eine kleine Schwimmstunde geben. Nach zweieinhalb Stunden Wasserspaß wurden die Kids dann entweder abgeholt oder sind mit uns zurück zur Schule gefahren, um dort von ihren Eltern eingesammelt zu werden.

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Planschen, toben, spielen…
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… nicht nur die Kinder sind am Ende des Tages erschöpft ins Bett gefallen!

Bevor ich nach diesem wunderschönen, aber auch – nicht zuletzt wegen der brennenden Sonne – sehr anstrengenden Nachmittag in meinen langersehnten Feierabend gehen durfte, musste ich noch mit zwei Kindern auf ihre Mutter warten, die erst nach 30 Minuten auftauchte.  Es passiert immer mal wieder, dass Kinder um halb sechs noch nicht abgeholt worden sind, und wir warten dann häufig noch auf der Terasse vor unserem Häuschen mit ihnen. Ebenso werden Kinder zum Teil mehr als eine Stunde vor Schulbeginn gebracht, weil die Eltern schon früh zur Arbeit müssen. Leider können (oder wollen) viele Familien in Namibia nicht so viel Rücksicht auf ihre Kinder nehmen wie es in Deutschland vielleicht normal wäre.

Fundraising-Event

Am 3. November fand an der Schule ein Fundraising Event mit Flohmarkt, Café, Kunstausstellung und Kinderspielen statt. Wir Volunteers haben Spiele für die Kinder organisiert und beim Auf- und Abbau geholfen – daran kommt man nicht vorbei, wenn man auf dem Schulgelände wohnt.

Neue Herausforderungen

Gleich an mehreren neuen Dingen durfte ich mich im vergangen Monat probieren. Zum einen wurde ich gebeten, ein Zeugnis für einen Schüler in der ersten Klasse zu schreiben, in der ich vier Wochen beim Stricken geholfen habe. So ein Waldorfzeugnis zu schreiben erfordert schon etwas mehr als eine Bewertung der erbrachten Leistung und ich habe mir große Mühe gegeben vor allem den Lernprozess des Schülers in wertschätzenden Worten zu würdigen und auch sein Verhalten während des Unterrichts zu evaluieren. Dabei habe ich immer wieder an meine eigenen Zeugnisse aus der Unterstufe zurückgedacht und versucht, mich an Formulierungen zu erinnern (auch wenn ich es auf Englisch abgeben musste). Ob es mir gelungen ist, ein angemessenes Waldorfzeugnis zu schreiben? Keine Ahnung! Aber eine interessante Erfahrung war es trotzdem.

Außerdem war unsere Hortleitung am Anfang des Monats für drei Tage krank, sodass Johanna und ich ein paar Tage ohne sie auskommen mussten. Obwohl wir jeden Freitag nur zu zweit sind, war es diesmal doch etwas anderes, weil die Gruppe montags bis donnerstags viel größer ist als am Freitag. Am ersten Tag zu zweit war es auch wirklich etwas hektisch und chaotisch, und wir dachten uns abends nur: wie soll das bloß morgen werden? Aber der nächste Tag lief dann überraschend gut, die Kinder waren ruhig und haben friedlich miteinander gespielt, wir konnten basteln und den Nachmittag ganz entspannt verbringen. Es war schön zu erfahren, dass wir auch mit so einer Situation gut klarkommen können!

Weihnachtsvorbereitungen

Obwohl erst November ist, haben wir im Afternoon Care schon mit den Weihnachtsvorbereitungen angefangen, denn die großen Ferien beginnen schon am 10. Dezember. Johanna und ich haben mit den Kindern Sterne gebastelt und in die Fenster geklebt, wir haben Weihnachtskarten für Eltern und Lehrer designt und zweimal in der Woche Plätzchen gebacken. Das Backen hat Spaß gemacht, war aber, für uns Betreuer jedenfalls, enorm anstrengend. Denn die meiste Zeit war man damit beschäftigt, die Kinder, die an diesem Tag nicht zum Backen eingeteilt waren, davon abzuhalten, Teig zu stibitzen, auf den austestochenen Keksen rumzutatschen oder sich mit Mehl zu bewerfen. Johanna gelingt es viel besser in solchen Situationen gelassen zu bleiben – oder zumindest lässt sie sich nichts anmerken. Ich hingegen bin schnell gestresst und genervt. Gerade solche chaotischen Momente mit den Kindern lehren mich aber Geduld und wer weiß, vielleicht bin ich in ein paar Monaten auch nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen.


Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch für die Bramscher Nachrichten aob und zu aus meinem Auslandsjahr zu berichten. Und natürlich habe ich zugesagt. Der erste Artikel ist mittlerweile erschienen und auch online zu lesen.

* Quelle: Wikipedia

** Quelle: https://www.namibia-info.net/namibia/wirtschaft.html und https://www.focus.de/reisen/videos/wohlhabendes-namibia-ein-land-geht-dem-aufschwung-entgegen_id_5289783.html

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