Weihnachten in Namibia

In Weihnachtsstimmung zu kommen, das gelingt hier im hochsommerlichen Namibia nur schwer. Schon Ende November haben wir angefangen, mit den Klassen der Unterstufe Weihnachtslieder zu singen. Das fühlte sich in dieser Jahreszeit zwar etwas falsch an, war aber sehr schön.

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Unser kleines Weihnachtskonzert mit unter anderem „Stille Nacht“ in vier Sprachen

Ein besonderes Highlight war die Aufführung des Oberuferer Christgeburtsspiel auf Afrikaans am vorletzten Schultag. Im Schatten der Bäume stellten die Schüler und wir unsere Stühle auf. Die Bühne bestand aus ein paar Bänken und einem kleinen Verschlag. Ich kenne dieses Christgeburtspiel noch sehr gut von meiner Schule in Evinghausen, aber natürlich nicht auf Afrikaans. Trotzdem habe ich viel verstanden und es war spannend, das gleiche Spiel in einem so anderen Kontext zu erleben. Den frierenden Hirten z.B. konnte man ihre Show in der brütenden Hitze nicht ganz abnehmen. Für die Kinder war es aber dennoch ein besonderes Erlebnis. Und die Kumpanei von der Farm Krumhuk ist auf ihrer kleinen „Tournée“ nicht nur bei uns an der Waldorf School gewesen, sondern auch in einem afrikaansen Altersheim, in einer Schule in Katutura und im Gefängnis.

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Der Engel begrüßt uns Zuschauer – auf Afrikaans

Seit wir aber am 7. Dezember Ferien haben, ist auch das bisschen Weihnachtsstimmung weg. Alles fühlt sich viel mehr nach Sommerferien an. Wir entspannen viel und sind oft im Freibad. Und obwohl wir auch die Weihnachtstage ein bisschen (ver)planen, steht die Vorfreude auf die große Reise direkt im Anschluss auf jeden Fall im Vordergrund.

Vergleichbar mit Europa sind auf jeden Fall die Supermärkte. Schon im Oktober sind sie voller Weihnachtsdeko, Lieder wie Last Christmas und Jingle Bells laufen im Radio und in manchen Läden gibt es auch importierte (und damit sehr teure) Marzipankugeln, Schoko-Weihnachtsmänner und Lebkuchen. An der Independence Avenue (der Hauptstraße Windhoeks) gibt es Lichterketten und leuchtende Deko, die für Stimmung sorgen sollen. Und trotzdem ist alles ganz anders.
Weihnachtsbäume gibt es in Namibia nicht. Statt Nordmanntannen schmückt man hier Weißdorn Akazien.
Das Wetter spielt sich nicht bei Regen um die 0°C ab, sondern bei strahlender Sonne um die 35°C. Das zeigt sich dann nicht nur in der Kleidung, sondern auch in den Kleinigkeiten. Wachskerzen für den Weihnachtsbaum lagert man im Kühlschrank und den Schoko-Adventskalender muss man löffeln. Wer dieser Hitze entfliehen will und die Möglichkeit dazu hat, fährt im Dezember an die Küste nach Swakopmund, wo die Temperaturen bei etwa 20°C sehr viel angenehmer sind.

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Franziska löffelt ihren Adventskalender

Während wir aus Deutschland Bilder von Schnee und Eis geschickt bekommen, freuen wir uns hier über jedes bisschen Regen. Ab Dezember geht die Regenzeit eigentlich richtig los, Januar und Februar sind die Hauptmonate.

Und so haben wir Weihnachten verbracht:

Am 24. waren wir am Nachmittag bei unseren Mitfreiwilligen Anna und Patrick. Nach einer ausgiebigen Partie Monopoly spielten wir Karten, bis Franziska von ihren Verwandten abgeholt wurde. Das Weihnachtsessen bestand aus indischem Curry mit namibischen Mangos.

Zu elf Uhr sind wir dann in die katholische Kirche gefahren, wo vor der Messe um Mitternacht Weihnachtslieder auf Deutsch und Englisch gesungen wurden. Da wurde es an diesem Tag das erste Mal wirklich weihnachtlich.

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Kartenspielen am Heiligabend

Am 25. haben wir uns am frühen Nachmittag mit anderen Freiwilligen aus Windhoek getroffen, um ein bisschen zu feiern. Jeder brachte ein Geschenk mit und dann haben wir gewichtelt. Aber nicht auf die klassische Art: wir saßen im Kreis und jeder hat gewürfelt. Jede Zahl bedeutete dann, dass die Geschenke getauscht oder weitergegeben wurden. Wer eine sechs würfelte, durfte auspacken. Nebenbei lief ein Countdown und nach zwanzig Minuten war der Spaß vorbei und jeder blieb mit dem Geschenk, das er gerade in den Händen hielt. Es war sehr lustig und die Chancen stehen gut, dass wir nie wieder anders wichteln werden.

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Wir hatten riesigen Spaß beim Wichteln

Im Anschluss an die Bescherung wurde der Grill angeschmissen – Weihnachten auf namibianisch.


Für mich war der größte Unterschied an Weihnachten in diesem Jahr, dass ich dieses traditionelle Familienfest zum ersten Mal in meinem Leben nicht zuhause und mit meiner Familie verbringe. Aber ich habe ja meine tollen Mitfreiwilligen hier in Windhoek und am 26. Dezember geht es schon auf unsere Reise durch Botswana in Richtung Victoria Fälle.

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