Monatsrückblick – September (Franziska)

Was? Ein Monat soll schon vergangen sein? Kaum zu glauben. Wir sind doch gerade erst angekommen! Und wie paradox, dass ich mich trotzdem in den letzten Wochen vor allem mit meinen Studienplänen für 2019 beschäftigt habe. Aber es ist auch beruhigend zu wissen, wie es nach 12 Monaten Namibia weitergehen wird und früher oder später hätte ich mich damit eh auseinandersetzen müssen. In zwei Wochen müssen wir auch schon den Rückflug buchen – was gerade begonnen hat, wird in absehbarer Zeit schon wieder vorbei sein. Und so schrumpfte dieses vor mir liegende Jahr plötzlich auf eine sehr kurze Zeit zusammen, als wir gestern mit unserer Mentorin zusammensaßen und uns gemeinsam den Jahresplan der Schule mit allen Ferienzeiten angesehen haben.

Es ist schon merkwürdig: dieses Auslandsjahr ist irgendwie so losgelöst von meinem Leben in Deutschland, auch weil bei mir der wichtige Lebensabschnitt Schule gerade beendet ist und das Neue noch nicht angefangen hat. So schwebe ich ein bisschen in der Leere. Da ist es schön, dass die Arbeit mich unter der Woche so beschäftigt, dass die Zeit wirklich wie im Flug vergeht. Gleichzeitig bin ich dankbar dafür, mal nichts zu tun zu haben außerhalb der Arbeitszeiten. Klar, ich muss ab und zu putzen, einkaufen oder Wäsche waschen, aber Verpflichtungen habe ich hier keine. Seit Langem bleibt so mal wieder Zeit zu lesen. Seit ich hier bin, habe ich schon zwei Bücher gelesen und bin jetzt mitten im dritten. Außerdem haben wir als Gruppe schon überlegt, wo wir in den Ferien hinfahren wollen. Für Ende Oktober ist eine gemeinsame Reise in den Etosha-Nationalpark und nach Swakopmund geplant.

Aber erstmal mussten wir uns hier einleben. In den ersten Wochen seit der Ankunft ging es viel darum, sich erstmal gegenseitig kennenzulernen, die Kollegen und die Kinder zu treffen, mit den Abläufen bei der Arbeit vertraut zu werden und sich an das Klima, die Sprache und die Umgebung zu gewöhnen. Jetzt, nach ziemlich genau einem Monat, würde ich sagen, ich fühle mich angekommen. Ich kenne die Struktur der Woche, meine Zuständigkeiten, die Namen der Kollegen, die Gesichter der Eltern, die abends ihre Kinder aus der Afternoon Care abholen, die nächsten Supermärkte in Windhoek… Vielleicht habe ich mich auch deshalb so schnell eingelebt, weil ich vor eineinhalb Jahren schon einmal hier an der Schule war und deshalb nicht so viel für mich neu war.

Diesmal, in dem Bewusstsein, dass ich ein Jahr hier verbringen werde, fühlt sich trotzdem alles ganz anders an. Und auch meine Aufgaben sind jetzt andere und fordern mich manchmal ganz schön heraus. Dass ich zwei mal in der Woche alleine eine Stunde in der zweiten Klasse habe, ist toll, weil ich mich ausprobieren kann – auch mit Blick auf meinen Berufswunsch Lehrerin. So eine riesige Verantwortung hätte ich mir letztes Jahr noch nicht zugetraut. Jetzt habe ich durchaus Respekt vor dieser Aufgabe, aber sie macht mir keine Angst und ermöglicht mir, viel zu lernen. Es ist nicht immer ganz leicht, die Kinder von meinen Ideen zur Stundengestaltung zu überzeugen und sie merken leider schnell, ob ich gut vorbereitet bin oder nicht. Andersherum macht es dann Freude (und auch ein bisschen stolz), wenn die Kinder gut zuhören und die Stunde ruhig abläuft.

Ein weiteres Erfolgserlebnis hatte ich, noch bevor die Schule überhaupt begonnen hatte.

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Anfang September war es noch richtig kalt in Windhoek. Mittlerweile haben wir jeden Tag Temperaturen von über 30°C

Wir Freiwilligen wurden gebeten ein großes Tafelbild zu malen. Also habe ich mit Johanna und Leonie ein Bild bei pinterest rausgesucht und wir haben versucht, es so gut wie möglich abzumalen. Am Anfang hat wohl keiner von uns geglaubt, dass wir es so gut hinbekommen würden, doch das Ergebnis ist wirklich ansehnlich geworden. Jedesmal wenn wir jetzt über den Schulhof gehen, können wir unser „Werk“ bewundern.

 

Schöne Momente gab es in diesem ersten Monat viele. Lustige Spieleabende mit unseren Mitfreiwilligen, gemeinsames Kochen, der Ausflug nach Krumhuk und auf die Rivercrossing-Lodge, das Geburtstags-Grillen und natürlich die vielen kleinen Momente bei der Arbeit mit den Kindern beim Malen, Spielen und Basteln, wenn ein Kind bei den Hausaufgaben plötzlich versteht, was ich die ganze Zeit zu erklären versuche, oder plötzlich meint, dass wir echt nettere Volunteers sind als sie erwartet hätten. Mein persönliches Highlight war aber der Abend von Leonies Geburtstag, als wir zu viert in ein Restaurant in Windhoek gefahren sind, auf der Terasse saßen, über die nächtliche Stadt blickten und mit der netten Kellnerin quatschten. Der Abend war warm und wir alle etwas müde von der Arbeit, aber so zufrieden und glücklich, dass wir hier sind.

Ich freue mich sehr auf den nächsten Monat. In drei Wochen haben wir den ersten Mid-Term-Break, d. h. eine Woche Ferien und dann ist irgendwie schon November, die Vorbereitungen für Weihnachten beginnen an der Schule und die großen Sommerferien sind nicht mehr lange hin.

Wie gesagt, die Zeit vergeht hier wie im Flug…

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