Wo geht es eigentlich hin – ein bisschen was über Namibia

Vor fast einem Jahr bekam ich die Möglichkeit, an der Waldorfschule in Windhoek mein Sozialpraktikum zu machen. Für mich als reisebegeisterte Weltkarten-Freirubblerin klang das natürlich sehr verlockend. Von meinem einmonatigen Aufenthalt in diesem südafrikanischen Land habe ich versucht, so viel wie möglich mitzunehmen. Ein mehrtägiger Roadtrip im klapprigen Toyota Condor zusammen mit zwei Klassenkameraden führte mich an den Rand der Wüste Namib, der ältesten Wüste der Welt und Namensgeberin Namibias, in die Kolonialstädte Deutsch-Südwestafrikas Swakopmund und Walvis Bay und in den Etosha-Nationalpark, wo wir Antilopen, Zebras, Giraffen, Nashörner, Elefanten und Löwen beobachten konnten. Doch wir haben in Namibia nicht nur die atemberaubende Natur bestaunt, sondern auch einen Eindruck von der vielfältigen Kultur des Landes gewinnen können.

Zunächst ein paar Fakten:

  • Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland hat aber nicht einmal zweieinhalb Millionen Einwohner – das entspricht dann einer Bevölkerungsdichte von weniger als drei Menschen pro Quadratkilometer, es kann also durchaus einsam werden in Namibias Weiten
  • Namibia liegt auf der Südhalbkugel der Erde, sodass dort immer Sommer ist, wenn bei uns Winter ist und umgekehrt
  • Regen fällt hauptsächlich zwischen November und April, generell ist das Klima in Namibia heiß und trocken
  • in Namibia leben verschiedene ethnische Gruppen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und sich auch äußerlich voneinander unterscheiden, zu ihnen zählen auch die ca. 100 000 Weißen, von denen 20% Deutsch als ihre Muttersprache angeben
  • Amtssprache ist Englisch, zudem gibt es mehrere anerkannte Nationalsprachen, darunter Deutsch, aber auch Afrikaans, eine dem Niederländischen sehr ähnliche Sprache, die größte Muttersprachlergruppe bilden die Oshiwambo-Sprechenden (ca. 1 Mio), daneben gibt es viele weitere afrikanische Sprachen wie Herero (OtjiHerero) oder Khoekhoegowab (gesprochen koikoigowab), die sich wiederum in zahlreiche Dialekte gliedern
  • Namibia gilt als stabile Demokratie, ihr Staatsoberhaupt ist der Präsident Hage Geingob
  • die Hauptstadt Windhoek wurde 1890 gegründet und hat ca. 320 Tausend Einwohner, es ist die größte Stadt Namibias und das politische und wirtschaftliche Zentrum (die Schreibweise „Windhuk“ stammt übrigens noch aus deutschen Kolonialzeiten, ist aber weiterhin gebräuchlich)
  • Ende des 19. Jahrhunderts wurde Namibia deutsche Kolonie, immer mehr Siedler ließen sich, vom Duft der Diamanten angelockt, in Städten wie Lüderitz und Swakopmund nieder, was zu großen Konflikten zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Weißen führte, die im grausamen ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gipfelten: nach der Schlacht am Waterberg 1904 erließ der Offizier Lothar von Trotha einen Befehl, der die Vernichtung der Herero zum Ziel hatte und den nur ein Viertel der ehemals 60 000 bis 80 000 Herero überlebte
  • nachdem Deutschland im Ersten Weltkrieg all seine Kolonien verlor, wurde das heutige Namibia unter südafrikanische Verwaltung gestellt
  • so wie Windhoek sind viele Orte bis heute erkennbar von der Kolonialzeit geprägt, überall finden sich deutsche oder niederländische Straßennamen, auch die Gebäude wirken oft europäisch, die Nachfahren der Siedler, die man als Deutschnamibianer bezeichnet, leben teilweise in fünfter Generation in Namibia
  • Namibia wurde am 21. März 1990 unabhängig, zuvor hatte eine der Sowjetunion nahestehende Unabhängigskeitbewegung, die SWAPO, u.a. gegen die Apartheidspolitik der südafrikanischen Regierung gekämpft
  • in Zuge dessen kamen viele Namibianer in die DDR, wo sie beispielsweise eine Ausbildung erhielten, ab Ende der 70er Jahre holte die SED außerdem etwa 400 namibische Kinder aus Flüchtlingslagern nach Deutschland, nach der Wende kehrten sie zurück in ihre Heimat, die sie z.T. jahrelang nicht gesehen hatten, viele von ihnen sprachen nicht einmal mehr die Sprache ihrer Familie
  • etwa die Hälfte aller erwerbstätigen Namibianer ist in der Landwirtschaft tätig, größtenteils in der Viehzucht, weitere große Wirtschaftszweige sind Bergbau (v.a. Uran und Diamanten) und Fischerei
  • der Tourismus macht einen immer größeren Anteil an der namibischen Wirtschaft aus, Safaris und edle Lodges sind besonders bei europäischen Touristen sehr beliebt

Mich faszinieren an diesem vielseitigen, facettenreichen und fremden Land nicht nur Touristenhighlights wie die Sanddünen im Sossusvlei, dem weltweit größten Meteorit, die Skelettküste, einem riesigen Schiffsfriedhof, oder die im Sand versinkende Geisterstadt Kolmanskop mit ihren verlassenen Gebäuden aus der Kolonialzeit und auch nicht nur die „Big Five“ Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard (obwohl es schon echt cool ist, seinen eigenen Tierfilm hautnah zu erleben). Wenn ich im September nach Namibia gehe, möchte ich natürlich zu all diesen Orten reisen, sie mir anschauen, um später davon erzählen zu können. Aber in erster Linie bin ich gespannt auf die Menschen, auf die Arbeit an der Waldorfschule, auf die neuen Erfahrungen und auf die Herausforderungen, die mir im täglichen Leben, im Umgang mit den Kindern und Kollegen und darum herum begegnen werden. Als Freiwillige verbringe ich das Jahr nicht nur mit reisen, sondern hauptsächlich an meiner Einsatzstelle. Ich blicke deshalb mit großer Neugier und Offenheit auf die Aufgaben, die mich dort erwarten und freue mich riesig, dass Sascha und ich nach all dem Abi-Stress dem norddeutschen Nieselregen entfliehen können, um das wunderschöne Namibia kennenzulernen.


Wer noch nicht genug von Namibia hat, kann sich eine Mini-Doku ansehen, die unser Freund Benedict in Namibia gefilmt hat: https://youtu.be/o7Fq51CEBMc

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