Ein bisschen Arbeit und viel Neues – die ersten Tage des Freiwilligendiensts

Eineinhalb Wochen sind vergangen, seit wir zu fünft in Namibia angekommen sind. Leider ist eine unserer Mitfreiwilligen direkt nach unserer Ankunft krank geworden und das so schwer, dass sie erstmal krankgeschrieben ist. Deshalb hat sich an unserer Aufteilung auch ein bisschen was verändert. Sascha wird weiterhin als Lernbegleitung in der fünften Klasse helfen, Leonie ist im Hostel, dem Internat, eingeteilt. Ab November wird sie dabei Unterstützung von Julius bekommen, der sich erst relativ spät für einen Freiwilligendienst entschieden hat und deshalb später anreist.

Ich werde nun, anders als erwartet, mit Johanna in der Afternoon Care, also dem Hort der Waldorf School Windhoek (WSW), arbeiten. Leonie und Johanna wohnen in einem gemeinsamen Zimmer im Hostel, Sascha und ich noch alleine in dem kleinen Volunteer-Haus auf dem Schulgelände. Wenn die anderen Volunteers kommen, werden die auch bei uns einziehen. Die meiste Zeit verbringen wir gemeinsam bei uns „unten“. Wir kochen, spielen Karten, lesen viel und planen schon mal die Reisen, die wir im Laufe des Jahres machen wollen und lernen uns weiter kennen. In dem kleinen Garten hinter dem Haus (oder besser: dem eingezäunten Stück trockener Erde) haben wir eine Hängematte aufgehängt und auch sonst machen wir es uns hier gemütlich. Die Nächte sind zwar noch kalt, aber morgens wird es schnell warm und tagsüber haben wir Temperaturne von bis zu 30°C, sodass wir bei strahlendem Sonnenschein viel Zeit draußen verbringen können. Daran kann ich mich wirklich sehr gut gewöhnen!

Weniger gut gewöhnen kann ich mich an die extrem trockene Luft hier. Wir Mädels klagen schon seit dem ersten Tag über spröde Lippen und rissige Haut an Händen und Gesicht. Bisher bekämpfen wir das, mit mittelmäßigem Erfolg, mit reichlich Gesichts- und Handcreme. Aber auch die Schleimhäute, vor allem in der Nase, reagieren empfindlich auf Staub und Trockenheit und haben die ersten Tage wirklich geschmerzt. Da können wir nur hoffen, dass der erste Regen in diesem Sommer nicht allzu lange auf sich warten lässt…

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Paula trinkt unser mühsam angeschlepptes Wasser – jetzt haben wir uns einen Krug mit Deckel besorgt

Nicht nur Katzen besuchen uns an unserer Hütte, auch einen Pavian haben wir gerade noch über den Gartenzaun klettern sehen. Regelmäßig können wir Horden von 15-20 „Baboons“  im trockenen Flussbett oder auf den Gleisen am Rand des Schulhofs wegrennen sehen. Oder wachen morgens auf einem verwüsteten Schulgelände auf, weil die Paviane über Nacht die Mülleimer durchsucht haben. Einmal konnten wir auch zwei Männchen kämpfen hören und sehen. Sie kommen in der Trockenzeit häufiger aufs Schulgelände und versuchen zum Beispiel aus dem Gartenschlauch, der den Sportplatz bewässert, zu trinken bis sie vom Gärtner verjagt werden. In der dürren Landschaft finden sie sonst nur schwer Wasser.

Momentan ist wirklich alles trocken. Der Staub lässt die Schuhe schon nach zehn Metern grau sein, aber die Landschaft ist trotzdem total schön. Direkt hinter der Schule liegt eine Hügelkette, in der man auf schmalen Pfaden spazieren gehen kann. Angst vor Löwen braucht man hier nicht zu haben, nur einen Leopard gibt es angeblich in dieser Gegend. Und große Antilopen! Während Leonie und ich auf ein Taxi warteten, sahen wir direkt vor der Schule, 50m von uns, zwei große Kudu-Weibchen.

Mit zwei anderen jungen Deutschen, die seit mehreren Monaten in Namibia sind und an der WSW arbeiten, konnten wir schon ein bisschen die Stadt erkunden. Sie haben uns Orte zum Einkaufen und Ausgehen gezeigt, ein paar der neuen Verkehrsregeln erklärt und uns von ihren Reisen und Unternehmungen erzählt. An einem Abend waren wir zum Beispiel für einen Sundowner auf der Rivercrossing Lodge unweit der Schule, haben vom Hügel aus den malerischen Sonnenuntergang über Windhoek beobachten und einen kleinen Vorgeschmack auf namibische Nächte bekommen können. Noch ist es etwas zu kalt, um lange draußen zu bleiben, aber in ein paar Wochen, wenn hier der Sommer so wirklich beginnt, kann man nachts den unendlich weiten Sternenhimmel genießen.

 

In Windhoek haben wir einige der anderen Volunteers wiedergetroffen, die wir auf dem Seminar kennengelernt haben. Wir waren gemeinsam in der Bush Bar und am Dienstag im Kino. Am nächsten Tag sind wir mit ein paar Leuten von der Schule zu einer Art Konzert im Warehouse Theatre gewesen. Seitdem waren wir hauptsächlich an der Schule und haben kleinere Aufgaben erledigt. Stühle für die Versammlung am ersten Schultag aufgestellt, ein Tafelbild gemalt, Unterrichtsmaterialien laminiert…

Außerdem durften wir in den letzten Tagen weitere Mitarbeiter der WSW kennenlernen und wurden schon etwas näher  in unsere Arbeiten eingewiesen, über die wir später noch genauer berichten werden. Am Freitag fand an der Schule ein Seminar für alle Mitarbeiter statt. Der Morgen begann mit Eurythmie für alle – seit der elften Klasse habe ich das nicht mehr gemacht und ich war erstaunt, dass selbst Lehrer an Waldorfschulen nicht viel besser Eurythmie können als ihre Schüler.

Nun freuen wir uns, dass morgen die Schule und damit unsere Arbeit losgeht. Wir sind sehr gespannt, was uns erwartet!

 

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